„Die Meistersinger von Nürnberg“
von Richard Wagner in Tokio
Eine antisemitische und ausländerfeindliche Oper? Dann darf man sie nicht aufführen. Seit 1981 und meinem ersten Hans Sachs bei den Bayreuther Festspielen und in der Hauptrolle in diesem Stück, sind immer wieder Medien im In- und Ausland mit dem obigen Thema beschäftigt und auf die negative Feststellung fixiert. Und ich bin jetzt schon sicher, dass mich auch die japanischen Journalisten wieder darauf aufmerksam machen wollen. Sie werden die entsprechenden Fragen stellen, die sie aus den deutschen Medien übernehmen. Wagner und sein Pamphlet von 1850: Das Judentum in der Musik. Ich bin vorbereitet und mit Unterlagen in meinem Koffer versorgt. Eine antisemitische und ausländerfeindliche Oper würde ich weder singen noch inszenieren.

„Etwas mehr Maß hätte man von dem erregten Künstler erwarten dürfen“, schrieb der jüdische Professor, Guido Adler in Wien über Wagners judenfeindliche Aussagen in seinen Schriften und zeigte gleichzeitig einen Anflug von Verständnis, indem er es für eine Art von Entschuldigung wertete, „wenn Wagner von sich selbst behaupte, er bewege sich in Extremen“. Die Kunstwerke Wagners bezeichnete Adler im positiven Sinn als Korrektiv gegenüber einigen der Aufsätze des Komponisten: „Das beste ist, daß hoch über diesen Ergüssen einer manchmal krankhaft erregten Phantasie des Schriftstellers das künstlerische Schaffen steht. In ihm werden wir den echten Wagner voll und ganz wiedererkennen ...“ Guido Adler, Richard Wagner Vorlesungen an der Universität Wien, Breitkopf und Härtel 1904, S. 189/90

Theodor W. Adornos „Versuch über Wagner“ von 1952 wird bis heute zitiert, wenn es darum geht, in Wagners Kompositionen (fälschlicherweise) Antisemitismus nachzuweisen. „All die Zurückgewiesenen in Wagners Werk sind Judenkarikaturen“, meinte er. Theodor Adorno, Versuch über Wagner, in W. A. Gesammelte Schriften, Bd. XIII Frankfurt a. M.

Peter Weber und Anja Harteros
Dabei muss auch der nicht jüdische Wiener Rezensent Eduard Hanslick als Beispiel dienen. Wagner verewigte ihn in der Figur des pedantischen Kritikers Beckmesser, des Merkers in seinen „Meistersingern von Nürnberg“. Beckmesser, der Kritiker, war - ist in Wagners Oper - waschechter und angesehener Nürnberger Bürger und somit weder Jude noch Ausländer. Nach heutigen Gesichtspunkten würde man ihn als Mitglied einer nationalen Partei entlarven. In seiner Pedanterie gegen alles „Welsche“, Fremdländische - auch gegen den Fremden, Stolzing - kann er gar kein Jude sein. In seiner „Mitteilung an meine Freunde“ von 1851 schrieb Richard Wagner: „Ich faßte Hans Sachs als die letzte Erscheinung des künstlerisch produktiven Volksgeistes auf und stellte ihn mit dieser Geltung der meistersingerlichen Spießbürgergesellschaft entgegen, deren durchaus drolligem tabulatur-poetischen Pedantismus ich in der Figur des „Merkers“ einen ganz persönlichen Ausdruck gab.“ Richard Wagner, Gesammelte Schriften und Dichtungen, IV, S. 284 f

Und wenn in dieser Oper auch Xenophobie eine Rolle spielen muss, dann geht sie vom Rezensenten Beckmesser aus und ist im ersten Akt des Werkes gegen den Fremden, den Junker von Stolzing gerichtet ... Siehe Text und Musik im Klavierauszug Peters S. 113-175. Am Ende ist es Richard Wagner, welcher sich gegen diese feindliche Haltung richtet und sie Beckmesser seinerseits im dritten Akt der Oper widerfahren lässt. Dessen schlechter musikalischer Vortrag wird abgewiesen. Beckmesser wird auch nicht vertrieben, wie man es immer wieder lesen kann. „... Er verliert sich unter dem Volke“, heißt es in Wagners Regieanweisung. Klavierauszug, S. 474.