Ausrine Stundyte und Günter von Kannen
„Orpheus in der Unterwelt“
nach Jacques Offenbach in Köln
Konrad Beikircher und ich überlegen, was zu tun sei. Führen wir diese Operette in ihrer Entstehungszeit auf, dann ist mit Offenbachs liebenswürdiger Ironie der Hof Napoleons III gemeint. Oder lässt sich vielleicht der Gedanke des Kölner Komponisten irgendwie auch auf unsere Zeit übertragen?

Beikircher ist mit der Stadt und den Eigenheiten seiner Einwohner bestens vertraut. Wir suchen einen neuen Text, einen zeitgemäßen Inhalt sowohl für die Dialoge als auch für den Gesang. Nach einigen „Stiftchen“ Kölsch endlich der Einfall. Von Konrad oder von mir? Ich weiß es heute nicht mehr. Wir überlegen, ob es denn nicht der Kölner Karneval sein könnte ..? Regiert er nicht Köln und dies auch außerhalb der so genannten „Fünften Jahreszeit“?

Ich mag ihn sehr, diesen Karneval. Und Beikircher ist als berühmter Kabarettist ein Teil davon. Während langer Sitzungen entwickeln wir einen Ablauf unserer neuen Handlung und der Texte. Wir lassen den Karneval und seine Größen, die Präsidenten, den Hintergrund und vieles mehr in den Ablauf und die Personen des Stückes schlüpfen. Natürlich muss alles frei erfunden werden. Wir gründen dazu einen neuen Verein: Die Götterfunken ... Und wir glauben am Ende besonders witzig zu sein.

Franz-Josef Antwerpes
Die Besetzung sieht einen Styx vor, eine Art Diener, der seinen Servierwagen umständlich über die Bühne schiebt, dazu Couplets singt und dem Publikum Witziges erzählen soll. Beikircher hat einen Vorschlag. Er kennt den ehemaligen Regierungspräsidenten, Franz-Josef Antwerpes, einen in der Bevölkerung anscheinend etwas unbeliebten Zeitgenossen. Antwerpes erscheint zu einem Gespräch und zeigt sich mir als ausgesprochen selbstironischer und geradezu lustiger Mensch, der bereit ist, sich dem Publikum selber „vorzuführen“. Wir geben ihm entsprechende selbstkritische Texte. Auch für seinen Gesang. Ja, Antwerpes lernt jetzt singen. Und alle Beteiligten sind höchst belustigt, wenn sie den Regierungspräsidenten i. R. bei den Proben erleben.