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Peter Weber
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Wilhelm Richard Berger nennt es in seinem Buch eine verzweifelt naive Geschichtsauffassung, wenn immer wieder in den Meistersinger-Rezeptionen von Chauvinismus und Deutschtümelei die Rede ist. Wilhelm Berger, Hans Sachs, Schuhmacher und Poet, 1994 S. 149/50
Die übliche Kritik richtet sich - und dieses habe ich als Opernsänger viele, viele Male selber erfahren - vor allem gegen Hans Sachsens Schlußmonolog, wenn er dort vor „welschem Tand“ und „falscher welscher Majestät“ warnt - und dann auch noch auffordert: „Ehrt eure deutschen Meister“. In der Neuinszenierung an der Hamburger Staatsoper 2004 wird der Monolog an dieser Stelle durch eine Diskussion unterbrochen und provokant gefragt, ob man dieses heute noch so vortragen dürfe ... „Man kann das Wort ‚deutsch‘ weder für wilhelminische Großmannsgelüste noch für die Untaten des Naziregimes verantwortlich machen“, meint Berger und zitiert Thomas Mann aus dessen Aufsatz von 1933, ‚Leiden und Größe Richard Wagners‘: „Es ist durch und durch unerlaubt, Wagners nationalistischen Gesten und Anreden den heutigen Sinn zu unterlegen - denjenigen, den sie heute -1933 - hätten. Das heißt, sie verfälschen und mißbrauchen, wenn sie ihre romantische Reinheit beflecken.“ Thomas Mann, Adel des Geistes, Sechzehn Versuche zum Problem der Humanität, Stockholm 1959, S. 398 f In der historischen Epoche des Hans Sachs, wie auch später in der Richard Wagners, ging es um die heroisch nationale Idee, wie sie auch alle anderen Dichter und Komponisten der Romantik zum Ausdruck brachten. denken wir nur an Herder, Klopstock, Goethe, Lorzing oder Weber. Das Ende der französischen Monarchie durch den „Sturm auf die Bastille“ und die Proklamation der Republik am 24. Februar 1848 bewirkte auch den deutschen Aufstand, die nationale Befreiungsbewegung. Dresden avancierte im Frühjahr 1849 zu einem Zentrum für revolutionäre Demokraten zugunsten einer Reichsverfassung. Diese Revolution wurde durch militärische Macht unterdrückt. Auch Richard Wagner hatte sich beteiligt, wurde steckbrieflich gesucht und floh über Weimar nach Zürich. Und das „zerging in Dunst das heil‘ge Röm‘sche Reich, uns bliebe gleich, die heil‘ge deutsche Kunst“, ist doch bei genauerer Betrachtung der revolutionäre, anarchistische Zug, den Richard Wagner als Freund von Karl August Röckel und Michail Alexandrowitsch Bakunin - beide Revolutionäre beim Aufstand in Dresden - ausweist, wenn er sich gegen die Staatsgewalt aber unbedingt für die Frieden stiftende Kunst ausspricht. |
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