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Erster Akt:
Aus dem off: Die Sonntagsmesse in der Katharinenkirche. Hinter der mittleren Rückwand des Bühnenbildes. Dort wird gerade ein Choral gesungen. Eva, Pogners Tochter, und ihre Begleitung, Magdalene, befinden sich unter den Andächtigen. Eva ist in einem der geöffneten Fenster, oder in der geöffneten Tür dieser Rückwand sichtbar. Dahinter Magdalene u. a.. Der junge Fremde, Ritter von Stolzing - sichtbar auf der Szene -, nähert sich Eva von außen und fragt sie schließlich, ob sie schon vergeben sei. Stolzing erfährt jetzt von ihr alles über das Versprechen ihres Vaters, welcher seine Tochter beim Wettsingen der Meister neben „all seinem Hab und Gut“ als zusätzlichen Preis gestiftet hat. Das heißt, sie muss den Sieger heiraten. Der Ritter will sofort an einem „Freisingen“ teilnehmen, um dadurch die Erlaubnis zum Wettsingen zu erhalten. Er will und muss den Preis - Eva - ersingen. David, der Lehrling, soll ihn in die gesanglichen Regeln, die Tabulatur einführen. Eva und Magdalene kommen über eine Türe aus dem off - der Katharinenkirche - auf die seitliche Mitte der Bühne und verlassen die Szene nach rechts, in Richtung Pognerhaus. David und seine Kollegen, die weiteren Lehrbuben, waren ebenfalls in der Sonntagsmesse (teils als Andächtige, teils als Ministranten). Sie treten jetzt aus dem off auf den Platz, spielen Fußball mit einer kleinen Kugel, aus Stofffetzen zusammengeschnürt, und bauen das „Gemerk“ auf. Die Örtlichkeit, an welcher die Prüfung stattfinden soll und sich der Tisch hinter einem Vorhang befindet. Dort wird der Merker, der Richter sitzen, den Delinquenten zwar nicht sehen, aber hören ... Gleichzeitig zählt jetzt David dem Herrn von Stolzing Dutzende von unbegreiflich dummen Regeln auf, von welchen dieser Naturbursche weder etwas versteht noch je gehört hat. Die Meistersinger treten auf. Pogner und Beckmesser unterhalten sich über den geplanten Wettbewerb. Der Stadtschreiber ist gegen ein Einspruchsrecht von Eva, das ihr der Vater zugestanden hat, falls ihr der Sieger des Wettsingens nicht gefallen sollte. Nur kann sie dann auch keinen anderen heiraten. Das ist das Schlimme bei der Angelegenheit. Stolzing nähert sich Pogner, mit welchem er tags zuvor über den Verkauf einer Immobilie gesprochen hatte. Er erklärt dem hocherfreuten Goldschmied, dass es hauptsächlich die Liebe zur Kunst sei, weshalb dieser, sein Besuch in Nürnberg stattfinde. Beckmesser zeigt von Anfang an seine Abneigung gegen den Fremden, den Ausländer. „Wer ist der Mensch ..?!“ |
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| Anja Harteros und Koyama Yumi | |||||
| Pogner verspricht noch einmal in großer Rede vor den versammelten Meistern demjenigen die Hand der Tochter - und das beträchtliche Heiratsgut dazu - der auf der Festwiese zum Sieger des Wettbewerbs erklärt würde. Er wiederholt hier erneut das Einspruchsrecht der Tochter, was einigen der anwesenden Meister gar nicht gefällt. Ist doch diese Goldschmiedstochter nicht nur hübsch, sondern auch sehr gut betucht. Hans Sachs schlägt vor, einmal ausnahmsweise auf der Festwiese auch das Volk mit abstimmen zu lassen. „Ob ihr der Natur noch seid auf rechter Spur, das sagt euch nur, wer nichts weiß, von der Tabulatur“. Dies Ansinnen wird von allen Seiten vehement abgelehnt. Es soll bei den verkrusteten, unnatürlichen Regeln bleiben. Dann folgt ein Wortgefecht zwischen Sachs und Beckmesser, bei welchem der Kritiker ganz entschieden für die genaueste Einhaltung der Regeln, der Bürokratie, der knebelnden Lebensweise der augenblicklichen Moderne plädiert. Während doch Sachs bereits hier über eine Postmoderne nachdenkt. Man geht zum nächsten Tagungspunkt über, zur „Freiung“, zum Vorsingen also. Pogner bittet Stolzing wieder auf die Szene. Der Ritter hat sich umständlicher bürokratischer Befragung zu stellen und wird zunächst mit Bedenken abgelehnt. Ein bis heute praktizierter amtlicher Vorgang ... Da er sich als Thema die Liebe aussucht, also nichts Biblisches, heißt es: „drum allein, Meister Beckmesser, schließt euch ein ..“. Der Schreiber wird also hier zum Merker, Kritiker und Richter über den „Asylantrag“ unseres Fremden. Deshalb nimmt Beckmesser den Merkerplatz ein, erhöht auf einer Leiter hinter einem Verschlag. Und der Junker beginnt zu singen. Er hält sich natürlich nicht an die vertrackten Regeln der Tabulatur, da er jene ja auch gar nicht kennt. Sein Lied ist frei, romantisch in Text und Musik und leider ohne altmeistersingerliches Handwerk. Sein Vortrag wird daher durch Beckmessers kratzende Kreidestriche auf einer Schiefertafel vernichtet. Das Maß der Fehler ist schließlich voll. Der Merker stürzt aus seinem Elfenbeinturm heraus und legt als „Staatsanwalt“ der Versammlung stichhaltige Beweise vor. Er führt diese „Gerichtsverhandlung“ gegen Stolzing mit unnachgiebiger Härte und zitiert Punkt für Punkt. Auf diese Weise manipuliert er als Mann der Medien die „Geschworenen“, bis diese Meister (Politiker?) alle - außer Sachs - mit ihm einer Meinung sind: Der Ritter hat „versungen und vertan“. Der Asylantrag wird nicht angenommen und Stolzing vertrieben. Sachs sinniert noch einen Augenblick, geht ab - und Vorhang. |
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