| Abgesehen von den individuellen
Unterschieden zwischen den einzelnen Episoden gibt es folgende generelle
Unterschiede zwischen der amerikanischen und der deutschen Fassung:
Daniels Einleitung
Die von den deutschen Episoden her bekannten individuellen
Einleitungen von Daniel ("Grüß' euch, ihr lieben Menschen...")
vor dem eigentlichen Vorspann gibt es in den US-Episoden nicht.
Deutsche Titelmelodie
Die deutsche Titelmelodie wurde in Anlehnung an
die US-Titelmusik neu komponiert. Sie hat das gleiche Versmaß und
ist von der Melodie her ähnlich, hat jedoch einfachere Harmonien.
Sie wird etwas schneller gespielt und wirkt fröhlicher als die US-Melodie.
Vorspann und Abspann
Wie bei Serien üblich, hat man sowohl für
die amerikanische als auch für die deutsche Serie jeweils einen einzigen
Vor- und Abspann angefertigt, der dann für alle Episoden verwendet
wurde. Er besteht in beiden Fassungen aus kurzen Szenen, die aus verschiedenen
Folgen der Serie stammen. Der deutsche Trailer enthält zum Teil die
gleichen Szenen wie der US-Trailer, zum Teil auch andere.
Bei der deutschen Fassung ist der Vorspann
länger
als der Abspann: Im Vorspann werden Strophe 1 und 2 des Kimba-Liedes gesungen,
im Abspann Strophe 3. Der jeweilige Episodentitel sowie die Angaben über
Regie, Musik etc. werden im Vorspann eingeblendet.
Bei der US-Fassung sind Vorspann und Abspann gleich
lang, und es erklingt auch jeweils dasselbe Lied. Der Vorspann trägt
als einzige Schrift den Haupt-Titel "KIMBA THE WHITE LION". Der jeweilige
Episodentitel wurde nicht in den Vorspann integriert, sondern erscheint
als einfache Tafel in weißer Schrift auf schwarzem Hintergrund zwischen
Vorspann-Ende und Episodenbeginn. Die Schrift mit den Informationen über
Sprecher, Regie, Musik etc., sind hier im Abspann eingeblendet.
Szenenwechsel
Bei den meisten deutschen Fassungen wurden die
- im Original oftmals sehr langen - schwarzen Stellen zwischen Ab- und
Aufblenden um einige Sekunden beschnitten. (Diese Stellen waren für
die amerikanischen Werbepausen bestimmt.)
Erzähler
In der deutschen Fassung übernimmt Daniel
die Rolle des Erzählers bzw. Kommentators, und seine Stimme ist oft
aus dem Hintergrund zu hören. In der US-Fassung hat Daniel damit nichts
zu tun. Hier gibt es einen eigenen Erzähler, der bei manchen Episoden
die Einleitung bzw. den Schluss kommentiert und gelegentlich Texte aus
dem Off spricht. In vielen Folgen ist jedoch gar kein Erzähler zu
hören.
Hintergrundgeräusche
Fast alle Szenen, die im Dschungel spielen, wurden
in der deutschen Fassung mit einem Klangteppich aus exotischem Vogelgezwitscher
und anderen Urwaldlauten unterlegt. In der US-Fassung gibt es das nicht.
Musik
Kein Geringerer als Isao Tomita, der später
mit elektronischer Synthesizer-Musik weltbekannt wurde, hat den kompletten
Soundtrack zur japanischen Originalserie geschrieben. Eingespielt wurde
er vom Japanischen Philharmonieorchester, welches Tomita höchstpersönlich
dirigierte. Seine Melodien sind abwechslungsreich und sinfonisch, jedoch
an vielen Stellen - entsprechend der Handlung - oft auch schwer und dramatisch.
In den US-Episoden gibt es nur Tomitas Originalmusik,
während für die deutschen Folgen von dem (durch viele TV-Serien
bekannten) Texter- und Komponistenteam Fred Strittmatter und Quirin Amper
jr. jede Menge zusätzliche Melodien und Lieder geschrieben wurden.
Dies geschah zum einen aus Gründen der Ergänzung:
In der Originalfassung wurde häufig - vor allem bei dramatischen und
spannenden Szenen - auf Musik verzichtet, um die Bilder besser wirken zu
lassen. Um diese "Leere" zu füllen, hat man an diesen Stellen in der
Regel deutsche Zusatzmelodien eingefügt.
Allerdings wurde Tomitas Musik auch oft durch die
deutschen Melodien ersetzt, um die Dramatik abzumildern. Gelegentlich
hat man Szenen durch diese Manipulation komplett verfälscht. Dadurch
wurde der Charakter der deutschen Serie generell leichter und lustiger.
Von Osamu Tezukas Original-Kimba ging jedoch einiges verloren.
Sprecher
Was bei der US-Version besonders auffällt,
ist die dünne Sprecherbesetzung. Das "Experiment" Kimba war in den
USA eine Low-Budget-Produktion!
Während in der deutschen Fassung rund 60 verschiedene
Sprecher zum Einsatz kamen - alle Hauptfiguren (und auch die meisten Nebenfiguren)
hatten ihre eigene Sprecherstimme - mussten die Amerikaner mit nur fünf
Personen für die ganze Vertonung auskommen. Deshalb klingen viele
Stimmen der US-Version sehr ähnlich oder auch ziemlich künstlich,
da die Schauspieler ihre Stimmen oft verstellen mussten.
Textinhalte
Bei der deutschen Bearbeitung war der Regisseur
Siegfried Rabe bemüht, die Texte allgemein auf ein höheres Niveau
zu bringen. So rezitiert Daniel, der in der amerikanischen Originalfassung
lediglich ein liebenswerter, etwas brummiger alter Affe ist, hierzulande
schon mal Klassiker oder bringt lateinische Zitate. Manche seiner geistig
hochstehenden Kommentare dürften von der eigentlichen Zielgruppe,
sprich Kindern ab 6 Jahren, gar nicht verstanden worden sein.
Von Siegfried Rabe stammte auch die Idee, den Papagei
Pauly in Reimen sprechen zu lassen. Der amerikanische Pauley reimt nicht,
klingt dafür aber mit seiner schwer verständlichen Krächz-Stimme
eher wie ein echter Papagei!
Unterschiedliche Namen
Zum Großteil hat man in der deutschen Fassung
die in der amerikanischen Version verwendeten Namen unverändert beibehalten.
Folgende Namen wurden angeglichen, übersetzt oder komplett geändert
(in der Reihenfolge ihres Auftretens):
| Amerikanischer Name |
Deutscher Name |
| Dan'l Baboon (Wortspiel mit dem Namen des amerikanischen
Pioniers Daniel Boone), wird meist nur Dan'l genannt |
Daniel (einmal in "Im Tal der Flusspferde" auch
Dan'l Boy genannt) |
| Caesar |
Cäsar (dt. Schreibweise mit Umlaut) |
| Pauley Cracker, meist nur Pauley genannt |
Pauly (dt. Schreibweise ohne 'e') |
| Claw (Löwe) |
Klaue |
| Geraldine (Giraffe) |
Malwine |
| Roger Ranger
(Kimbas Menschenfreund) |
Ronny (in "Expedition
Tonga" und "Endlich wieder Mary" je einmal auch Roger genannt) |
| Orchid (Stinktier) |
Stinki |
| Clutch (Adler) |
Kralle |
| Flyger (Flying Tiger) |
Fliger, der fliegende Tiger |
| Viper Snakely |
Walter Snakely |
| Gruff (Alligator) |
Schnaff |
| Gargoyle G. Warthog (Warzenschwein) |
Mixpickle |
| Ignotso (Sohn von Mrs. Snobbish) |
Benny |
| Pop Wooly (Widder) |
abwechselnd Papa Wooly u. Pop Wooly |
| Pachydermus (Elefant) |
Darius |
| Pee Wee (Elefantenkind) |
Elly |
| Wiley Wildcat (Raubkatze) |
Willi |
| Don (Sohn von Mr. Scotfree) |
Toni |
| Butcher Boy (Pavian) |
Baboon |
| Chiller (Raubkatze) |
Killer |
| Jeroboam (Baumwollpflücker) |
Jero |
| General Horsefly |
General Brüller |
| Chimera (Bärenmutter) |
"Das Phantom" |
| Prancy (Gepardendame) |
Fränzy |
| Scratch (Pavian) |
Tolle |
| Silvertail (Löwe) |
Silberschweif |
Bildqualität
Das Bildmaterial der im Jahre 2005 erschienenen
amerikanischen Kauf-DVDs konnte von den perfekt konservierten japanischen
Originalnegativen gezogen werden. Dadurch weisen die US-DVDs eine brillante
Bildqualität auf, die sich mit Trickfilmen der Gegenwart durchaus
messen kann.
Den deutschen Kimba-Folgen, egal ob TV-Sendung
oder Kauf-DVD, sieht man leider ihr Alter deutlich an: sie weisen zum Teil
Farbverfälschungen und andere Gebrauchs- und Alterungsspuren auf.
Tonqualität
Die Tonqualität der US-Folgen ist hingegen
schlechter als die der deutschen. Dies macht sich vor allem bei den Musiknummern
bemerkbar. Auch die Dialoge sind oftmals schwer zu verstehen - insbesondere
für Nicht-Amerikaner. |