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Wie Kimba entstand"How Kimba Came To Be" http://www.kimbawlion.com/history.htm Mit freundlicher Genehmigung der Autoren Robin
Leyden und Fred Patten,
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Die Übersetzung
wurde nach bestem Wissen und mit größtmöglicher Sorgfalt
durchgeführt. Dabei wurde der Text teilweise stilistisch überarbeitet
und der deutschen Ausdrucksweise angeglichen. Dies ist keine "Roboter"-Übersetzung.
Anmerkungen, Kommentare und Ergänzungen erscheinen in roter Schrift.
Hintergrund und EntstehungDie Entstehungsgeschichte von "Kimba, the White Lion" ist kompliziert. Viele unvorhergesehene Faktoren, die in die Produktion eingriffen, machten Kimba am Ende zu etwas, das den ursprünglichen Erwartungen nicht mehr entsprach. Ist nun die Realität, die nichts mehr mit den "hehren Idealen" zu tun hat, ein Gewinn oder ein Verlust für die Welt? Um das zu beantworten, müssen wir entscheiden, wozu Kimba fähig gewesen wäre, wenn die Dinge anders gekommen wären, und ob dieser andere Kimba eine Verbesserung oder eine Verschlechterung gewesen wäre.Am Anfang stand ein Roman. Osamu Tezuka hat während seiner Karriere mehrere hundert verschiedene Arbeiten hervorgebracht, aber drei außerordentliche stechen hervor: Tetsuwan Atom (Astro Boy) ist zweifellos seine bekannteste Serie. Phoenix ist unzweifelhaft sein angesehenstes und intellektuell ehrgeizigstes Werk. Und Jungle Emperor (der japanische Titel Jungulu Taitei lautet frei übersetzt: König des Dschungels) ist sein bekanntester Roman. Jungle Emperor, der zu Tezukas ersten und wichtigen Arbeiten gehört, wurde 1950 begonnen. Der komplette Roman umfasste 640 Seiten. Tezuka nahm mehrfache Veränderungen und Revisionen vor, bevor er mit seinem Werk zufrieden war. Eine kürzlich erschienene Luxus-Ausgabe beinhaltet auch Teile von frühen Versionen, damit der Leser sehen kann, wie Tezuka sein Werk verbesserte. Jungle Emperor ist eine Parabel auf die Zivilisation - dies ist die grundlegende Idee des Werkes, und in dieser Weise will es auch verstanden sein. Erzählt wird die Geschichte einer Dynastie von intelligenten weißen Löwen, wobei die Handlung das Leben eines dieser Löwen, Leo, begleitet. Leo versucht, das Schicksal aller Tiere zu verbessern, indem er das grausame Dschungelgesetz vom Starken, der den Schwachen frisst, durch Einführung einer Tier-Zivilisation ablöst, die auf humanitären Vorstellungen basiert. Die Geschichte zeigt Leos Geburt auf einem Schiff, das seine Mutter in einen Zoo transportieren soll, seine Flucht von Bord und seine Kindheit als zahmes Haustier in einer Großstadt, seine Rückkehr in den Dschungel, wo er die Nachfolge seines getöteten Vaters antritt, seine Versuche, eine menschenähnliche Zivilisationsgesellschaft mit Farmen und Schulen für Tierkinder aufzubauen - trotz der Opposition derer, die die "unnatürlichen" Änderungen nicht akzeptieren wollen, die Geburt seiner Kinder Rune und Rukio, Runes eigene Abenteuer als Ausreißer in der Welt der Menschen, und schließlich den Tod Leos, der sich opfert, um seinem Menschenfreund Higeoyaji das Leben zu retten, sowie Runes Rückkehr in den Dschungel, um die Mission und das Werk seines Vaters fortzusetzen. Osamu Tezuka schrieb und zeichnete diesen comic-artigen Roman mit all seinen Revisionen und Änderungen nahezu während der gesamten Fünfziger Jahre. In dieser Zeit begründete er bereits seinen Ruf als japanischer "Comic-König". Am Ende des Jahrzehnts beschloss er, sein eigenes Trickfilmstudio zu eröffnen, um Cartoons für das Fernsehen zu drehen. Mushi Productions wurde im Juni 1961 gegründet und benötigte anderthalb Jahre, bis die Produktion anlaufen konnte. Tezukas erste kommerzielle Trickserie war Tetsuwan Atom, besser bekannt als Astro Boy, im Jahre 1963. Tetsuwan Atom war hauptsächlich deshalb gewählt worden, weil es Tezukas bekanntestes Werk war, aber auch, weil Mushi Productions immer noch ziemlich unerfahren war und Tezuka möglichst viel Erfahrungen sammeln wollte, bevor er sich an die Verfilmung seines "Lieblingswerkes" wagte. Nach ca. zwei Jahren fühlte er sich bereit, die Verwirklichung von Jungle Emperor in Angriff zu nehmen. Mushi Productions hatte bereits frühzeitig eine Handelspartnerschaft mit der NBC (National Broadcasting Company) in Amerika begonnen. NBC hatte die amerikanischen Rechte für Astro Boy gekauft, und eine spezielle Niederlassung, NBC Films, gegründet, um die Serie in der englischsprachigen Welt zu veröffentlichen. NBC hatte einen Nebenvertrag mit dem unabhängigen Produzenten Fred Ladd, der die Serie für das amerikanische Publikum herausgeben sollte, und sowohl NBC als auch Tezuka fanden Gefallen an Ladd's Astro Boy. Die Zahlungen für die englischsprachigen Rechte von Astro Boy waren für Mushi Productions sehr hilfreich, weil sie gestatteten, nach dem ersten Jahr die technische Qualität der Serie zu verbessern. Beispielsweise stellte der ursprüngliche japanische Sponsor von Astro Boy, FUJI Network, nur gerade soviel Geld zur Verfügung, um die ersten 52 Episoden mit 1.000 Cells (Zelluloid-Folien) pro Episode zu machen. Mit dem zusätzlichen Geld von NBC war Mushi im 2. Produktionsjahr von Astro Boy in der Lage, 2.500 Cells für jede Episode zu verwenden, was eine erhebliche Qualitätsverbesserung bedeutete. Üblicherweise betrachtet ein Trickfilmstudio den Verkauf einer Serie an eine nationale TV-Station als komplette Transaktion, und jeder weitere Verkauf in andere Länder bedeutet einen hübschen Bonus. Aber in diesem Fall war Tezuka aufs Äußerste motiviert, mit NBC viel enger zusammen zu arbeiten, als dies normalerweise ein ausländischer Kunde macht. Er wollte die Extrazahlungen im Voraus erhalten, die es ihm ermöglichten, anstatt eines durchschnittlichen Cartoons allerhöchste Qualität herzustellen. Gegen Ende 1964 fand NBC, dass es nun genug Astro-Boy-Episoden gäbe (104), um sie für alle Zeiten wiederzuverwenden, und fragte Tezuka, ob er irgendwelche neuen Ideen hätte. Tezuka schlug eine Serie über die Abenteuer eines heldenhaften Löwen vor, im selben Produktionsformat wie Astro Boy - sprich schwarzweiß. Nein, sagte NBC, im amerikanischen Fernsehen werden heutzutage nur noch farbige Sendungen akzeptiert. Dies machte Tezuka nervös, da Mushi Productions nie zuvor mit Farben gearbeitet hatte. NBC schickte ein äußerst schmeichelhaftes Antwortschreiben: "Haben Sie keine Angst vor den Farben; wir schätzen Ihre Arbeit so sehr, dass wir Ihrem Studio die Umstellung auf farbige Produktion finanzieren. Schicken Sie uns einfach Ihr Angebot - aber es muss sich auf farbige Trickfilme beziehen!" Dies bedeutete praktisch eine Auferlegung der Erfüllung von Tantiemenzahlungen. Tezuka wollte die Gelegenheit nicht versäumen, auch wenn er sich überhaupt nicht im Klaren darüber war, worauf er sich hier einließ. Nach einem Austausch von ein paar weiteren Informationshäppchen glaubte Tezuka zu wissen, was NBC wollte, und schickte einen formellen Vorschlag nach Amerika. Hier ist der exakte Wortlaut des Vorschlagsschreibens von Mushi Productions an NBC: "PLAN FÜR JUNGLE EMPEROR"1) Das Originalwerk:Dieser Fernsehfilm basiert auf einer langen Cartoongeschichte von Osamu Tezuka, welche regelmäßig im japanischen Magazin "Manga Shonen" durch die Gakudosha- Company veröffentlicht wurde, und dies seit dem ersten Erscheinen im Jahre 1951 ohne Unterbrechung für mehr als 7 Jahre. 2) Plan für Umwandlung in einen TV-Cartoon: a) Das Erscheinungsbild für die TV-Ausstrahlung sollte gefühlsmäßig modern ausgestattet sein, um heutige Kinder und Zuschauer anzusprechen. b) Die Erzählung wird auf die Lebensgeschichte von Leo begrenzt. Nicht um die Handlung herum spielen, sondern immer im Mittelpunkt des Geschehens bleiben. Die mentale Beeinflussung und Entwicklung von Leos Charakter ist zu veranschaulichen. c) Aus folgenden Elementen das meiste machen und sie weiter entwickeln: Einhaltung des Originalthemas, Vermittlung des Eindrucks eines großen, epischen Werkes mit Action, Abenteuer und Spannung, aber auch Humor und Spaß, um dem Charakter eines Cartoons Rechnung zu tragen. Gezeigt werden soll Lebensfreude und das Bestreben, aufrichtig zu handeln und Ideale zu erlangen, und vor allem große, echte Liebe zu allen Lebewesen. d) Alle Arbeiten in Farbe, 4 Viertel (78 pcs.)
eines 30-Minuten-Programms.
3) Das Thema: Unter dem Gesichtspunkt, dem Leben mit Ehrfurcht zu begegnen und alle Lebewesen zu lieben, sind diese in zwei Gruppen eingeteilt: Tiere und Menschen. Während die historischen Konflikte zwischen den beiden Gruppen fortdauern, wird die ideale Gemeinschaft gesucht, in der alle glücklich sind. All die Anstrengungen, diese in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft zu realisieren, werden beschrieben. 4) Die Geschichte: Die Handlung spielt im Afrika der Gegenwart, insbesondere Uganda, Leopoldville, Kongo, Zentralafrika sowie in angrenzenden Gebieten des Sudan. Der Mount Moon, von dem später noch die Rede sein wird, ist ein fiktiver Berg und nicht die real existierende Ruvenzori-Gebirgskette. Der Held der Geschichte ist ein weißer Löwe namens Leo. Zur Blütezeit des ägyptischen Reiches erhielt Leo's Urahn Andolokles von einem Gelehrten namens Kupton eine Medizin, die seine geistigen Fähigkeiten erweiterte. Durch diese Medizin erlangte der Löwe Andolokles eine bemerkenswerte Klugheit. Er half dem damaligen König, dessen Land reich und die Bewohner glücklich zu machen. Später machte das Schicksal Andolokles zum Schutzgott eines eingeborenen Stammes, und die ägyptische Zivilisation verfiel. Die Zivilisation kam nach Europa, Asien und Amerika, und in Afrika begann ein langes, düsteres Zeitalter, was auch zur Bezeichnung "dunkler Kontinent" führte. Vor nicht allzu langer Zeit jedoch begann das Licht der Zivilisation wieder auf den dunklen Kontinent zu scheinen, und ein neues Afrika machte rapide Fortschritte, weshalb man eine Epoche im Jahre 1960 auch das "Afrikanische Jahr" nannte. Wenn man nun seinen Blick von dieser fortschrittlichen Menschenwelt abwendet, sieht man, dass die Tierwelt noch immer vom Menschen unterdrückt wird und damals wie heute einzig und allein dazu dient, menschliche Bedürfnisse zu befriedigen. Beispielsweise werden die Tiere zum Zwecke des sogenannten "Jagdsports" umgebracht. Menschen kleiden sich mit Fellen und essen das Fleisch von Tieren. In Panjas Bewusstsein regte sich der Befehl, gegen diese Tatsachen Widerstand zu leisten und das Glück der Tierwelt zu beschützen. Panja war ein männlicher, schneeweißer Löwe und ein direkter Nachfahre von Andolokles. Er war ebenso tapfer wie stark und klug. Er sagte nicht nur den Menschen den Kampf an, sondern auch allen Tieren, die den Frieden des Dschungels störten. "Raubtiere töten Pflanzenfresser" - diese Art von Dschungelgesetz ging Panja gegen den Strich. In seinem Auftrag, die schwächeren Dschungeltiere davor zu schützen, gefressen zu werden, stahl der mitfühlende Panja den benachbarten Eingeborenenstämmen das Vieh und verfütterte es an die Fleischfresser, wenn auch mit wenig Erfolg. Dies verschlimmerte freilich die Konfrontationen zwischen ihm und den Menschen. Es kam zum Kampf. Panjas Angriff, gestützt auf seine Tapferkeit und Stärke wurde von menschlicher Schläue und moderner Waffentechnik abgewehrt, und Panja wurde getötet. Die Menschen fingen Panjas Gemahlin Eriza, und Leo, Panjas Sohn, wurde auf dem Schiff geboren, das Eriza in den Londoner Zoo bringen sollte. Als Eriza erfuhr, dass das Schiff sinken würde, gab sie ihrem Jungen den Auftrag, nach Afrika zurückzukehren und Panjas Erbe anzutreten, um nach dessen Willen den Frieden und das Glück des Dschungels zu erhalten, und ließ den kleinen Leo in die tosenden Wellen des Atlantiks springen. Leo durchschwimmt den Atlantik und erreicht Afrika, aber in Wirklichkeit ist es Portugal, wo er von dem 18-jährigen Ken-ichi und seinem Onkel aufgelesen wird. Leo wächst bei den beiden auf und vertieft seine Anschauung über Menschen, Gesellschaftsordnung und Macht. Leo findet, dass es falsch ist, alle Menschen mit voreingenommener Feindseligkeit zu betrachten, dass die Gesellschaft dazu da ist, das Glück sowohl des einzelnen als auch der Allgemeinheit in Einklang zu bringen, und dass der Mensch durch die Entwicklung der Wissenschaft und mit Hilfe der gewonnenen Kenntnisse ein glückliches Leben führt. Mit anderen Worten: Der Mensch wird glücklich durch Zivilisation. Durch Zufall kehrt Leo in den Dschungel zurück, in dem seine Eltern geboren wurden, wo er jedoch nur eine unzivilisierte Welt voller Wildheit und Egoismus vorfindet. Er entwickelt die Theorie, dass ein glückliches Leben für die Tiere auf einer Zivilisation aufgebaut sein sollte. Feuer und Flamme für dieses Ideal, beginnt Leo die Tiere anzuleiten. Aber es ist ein sehr schwieriges Unterfangen. Einige Tiere beharren auf dem alten Dschungelgesetz, andere sind mit Panjas Weg einverstanden, und wieder andere sind unentschlossen. Dazu kommt noch, dass viele rückständige Tiere nicht in der Lage sind, das Ganze zu verstehen. Naturkatastropen ereignen sich, und übelgesinnte Menschen kommen dazu. Die naturgewollten Gegebenheiten "Fleischfresser fressen Pflanzenfresser" können nicht geändert werden. Es herrscht eine Scheuklappen-Mentalität vor, die sich nach Gleichgültigkeit sehnt. Auch gibt es Zweifel an der Art und Weise von Leos Führung. Während der gesamten Fernsehserie "Jungle Emperor" dient die Bearbeitung dieser Konflikte dem Vorankommen und der Weiterentwicklung der Geschichte. Außerdem verliebt sich Leo und heiratet, zeugt zwei Kinder und erweitert darüber hinaus seine Lebenserfahrungen und seinen Charakter. Unter der sengenden Sonne führt Leo seine Ideale Schritt für Schritt weiter aus, wobei er als echter Afrikaner seine einzigartige, starke Lebenskraft demonstriert. Auf diese Weise steigt der Zivilisationspegel der Tiere höher und höher. Einige sensible Menschen ändern ihre Einstellung den Tieren gegenüber und gehen Leo hilfreich zur Hand. Aber eine echte "menschliche Zivilisation" ist noch weit entfernt, und auch die blühende "Tierzivilisation" muss Hindernisse überwinden. Eines davon ist die Heilung der unter den Tieren ausgebrochene Fleckenkrankheit, das andere die Erforschung des Mount Moon. Wissenschaftler versuchen, den Mount Moon zu erforschen,
weil sie nach den Mondsteinen suchen, die gewaltige Kräfte enthalten
und einst sogar die Kontinentalverschiebung verursacht haben sollen. Dieser
Berg hat jedoch schädliche Luftströmungen und wird von prähistorischen
Tieren wie Dinosauriern und Mammuts bewohnt, so dass eine normale wissenschaftlichen
Expedition dorthin unmöglich ist. Da Leo mit einem der Mammuts, Ofukurosan,
befreundet ist, hilft er den Expeditionsteilnehmern, indem er sie mit dem
Mammut zusammenbringt. Mit dessen Hilfe wird schließlich ein großes
Vorkommen von Mondsteinen entdeckt. Leo tut dies als Gegenleistung für
die Hilfe der Forscher gegen die Fleckenkrankheit.
Ein Schneesturm fegt in 5.000 Metern Höhe um den Mount Moon. Die Menschen der Expeditionsgesellschaft machen sich mit ihren aufgezeichneten Ergebnissen auf den Rückweg. Während des Abstiegs kommt jedoch ein Mitglied nach dem anderen ums Leben. Schließlich ist der letzte Überlebende kurz vor dem Zusammenbruch. "Bring die Aufzeichnungen der Expedition zu den Menschen" - mit diesen Worten tötet sich Leo selbst und gibt seinen eigenen Körper her, um den letzten Überlebenden vor dem Verhungern zu retten. Leo ist nicht gestorben, sondern lebt in seinen Idealen weiter. Die Expeditionsaufzeichnungen erreichen die Welt der Menschen. Nach Leos Tod führt sein Sohn Rune dessen Werk fort, das er weiter entwickeln wird. Es ist zu erwarten, dass die Zusammenarbeit zwischen Tieren und Menschen zunehmen und die Welt sich dadurch mehr und mehr verbessern wird. 5) Die Einteilung der Geschichte: Unter Berücksichtigung der TV-Eigenschaften und Produktionsbedingungen, und weil man das Publikum auch nicht zwingen kann, kontinuierlich jede Folge anzuschauen, kann die Geschichte nicht in einer Art von Serie gemacht werden, in welcher der Held kontinuierlich heranwächst. Deshalb teilen wir die Geschichte zuerst formal in drei Stufen ein: Kindheit, Jugend und Erwachsenenalter. In letzterem fügen wir Leos Sohn Rune hinzu, dessen Figur derjenigen des jungen Leo gleichkommt. Das Verhältnis dieser drei Altersabschnitte
wird in die folgenden drei Stufen eingeteilt:
Damit der natürliche Ablauf der Geschichte übereinstimmt, wird die Reihenfolge der Ausstrahlung einiger Episoden zwingend festgelegt. Zu Beginnn der Kindheit werden Panjas Tod und Leos Geburt platziert. Liya, Leos Freundin, wird frühzeitig eingefügt. Die Heirat findet in den Jugendtagen statt, ihre beiden Kinder erscheinen zu Beginn des Erwachsenenalters. Am Schluss kommen Leos Tod und die Andeutung der Zukunft. Das erste Drittel beschreibt Leos Festigung in seiner Führungrolle, das zweite Drittel schildert die kraftgeladenen Kämpfe zur Verwirklichung seines Ideals, und das letzte Drittel zeigt die Energien zur Entwicklung der Zukunft nach erfolgtem Durchbruch und Stabilisierung der Gegenwart. 6) Darsteller: a) Leo:
b) Liya:
c) Panja:
d) Tomy:
e) Koko:
f) Mandy Mandrill:
g) Bubu:
h) Tot:
i) Dick & Bow:
j) Ken-ichi:
k) Mary:
1) Mr. Bearded:
m) Hamegg:
n) Cheetah:
o) Bacchus:
p) Samson:
q) Ofukurosan:
r) Pagoola:
s) Boss der Rhinozerosse:
t) Gabuga:
u) Eriza:
v) Andere:
(hier endet Tezukas Originalplan) Amerikanische ÄnderungenNBC gefiel die Grundidee von Jungle Emperor. Allerdings war man dort der Meinung, dass einges geändert werden musste, um die Geschichte für das amerikanische Fernsehen akzeptabel zu machen. Es war absolut unmöglich, den Helden in der letzten Episode sterben zu lassen! Tatsächlich sollte Leo gar nicht ganz erwachsen werden. Als Jungtier war er ein Charakter, mit dem sich Kinder sehr gut identifizieren konnten. Als Erwachsener mit eigenen Kindern würde er zur Vaterfigur werden, und die Identifikation der jungen Zuschauer ginge verloren. Aus diesem Grund wollte NBC, dass sich Jungle Emperor nur auf Leos Jugendabenteuer konzentriert, welche auf 52 Episoden, also auf ein volles Jahr, ausgedehnt werden sollten. (78 Episoden war zur damaligen Zeit eine ungünstige Zahl für das amerikanische Fernsehen, da die Serien überlicherweise in vollen Jahresblöcken abliefen).Diese Änderung hob ein anderes Problem deutlich hervor, aber eines, wofür NBC eine einfache Lösung vorsah: In Tezukas Vorschlag verbrachte Leo sein ganzes Leben damit, für die Einrichtung seiner Tier-Zivilisation zu kämpfen. NBC wollte kein Programm, das in der Hauptsache aus langen, blutigen, realistischen Tierkämpfen bestand. Außerdem würde es unglaubwürdig erscheinen, dass Leo fähig war, erfolgreich gegen ausgewachsene Löwen, Rhinozerosse, Elefanten und andere Großtiere zu kämpfen, wenn man ihn als reines Jungtier gestaltete. NBC's Lösung war, aus Leo eine Art "Super-Löwen" zu machen, um seine Beliebtheit bei den amerikanischen Kindern zu steigern, für die gewohnheitsmäßig alle Zeichentrickhelden immer Superhelden waren. Dies würde Leo gestatten, all seine Kämpfe leicht und ohne großes Blutvergießen zu gewinnen, wodurch man auch Beschwerden wegen zuviel Gewalt vorbeugen konnte. Dadurch blieb außerdem mehr Zeit zur Entwicklung der Figuren und für den Humor übrig, wodurch die ganze Serie auch nicht so schwer würde. Die größte abschließende Änderung war, dass NBC Jungle Emperor nicht als fortlaufende Serie, sondern als Sammlung unabhängiger Geschichten haben wollte. Der Grund dafür war, dass mehr Zuschauer (vor allem Kinder) für ein Programm gewonnen werden können, wenn jede Episode eigenständig ist und der Betrachter nicht gezwungen ist, mit einer fortlaufenden Geschichte vertraut zu sein. Auch sind regionale Fernsehstationen (die Käufer von TV-Serien) dagegen, Episoden in einer bestimmten Reihenfolge senden zu müssen, sondern gestatten lieber ihren Filmvorführern, diese in beliebiger Reihenfolge zu zeigen. (Weil nämlich die Vorführer bei kleinen, unabhängigen Sendern, wo die Qualitätsstandards nicht so hoch sind, Serien ohnehin durcheinander zeigen, ganz gleich ob sie nun angewiesen sind, aufzupassen oder nicht!) Deshalb wurde Tezuka gebeten, keine seiner Episoden nach "cliffhanger"-Manier aufzubauen, und die allgemeine Geschichte in einer großzügigen Art zu entwickeln, so dass es nichts ausmachen sollte, wenn Episoden in der falschen Reihenfolge gezeigt würden. Tezuka protestierte gegen einige dieser Änderungen, vor allem die Entscheidung, dass Leo ein Junglöwe bleiben sollte. Dies zerstörte den gesamten Kern von Jungle Emperor als die Lebensgeschichte seines Helden und löschte den dramatischen Höhepunkt am Gipfel des Mount Moon vollständig aus. NBC schlug einen möglichen Kompromiss vor: Wenn Tezuka die 52-teilige Serie nach ihren Vorstellungen machte und sie genügend erfolgreich war, dann würde NBC eine zweite 52-teilige Serie in Erwägung ziehen, in welcher Leo dann erwachsen sein und Kinder haben könne. Falls die ersten 52 Episoden in der Lage sein sollten, eine genügend große Fangemeinde für Leo aufzubauen, würden wahrscheinlich auch genügend Zuschauer seine Abenteuer als Erwachsener weiter verfolgen. Aber ohne die 52 "sicheren" Episoden war NBC nicht bereit, das Risiko für ein Programm einzugehen, das für den amerikanischen Geschmack immerhin recht ungewöhnlich war. Tezuka akzeptierte NBC's Bedingungen. Allerdings waren Verwirrungen und Kompromisse noch nicht zu Ende. Die Produktion der Serie dauerte ca. ein Jahr lang. Wieder unterschrieb Fuji TV die Übernahme der Basiskosten; NBC's Unterstützung erlaubte die darüber hinausgehende, großzügige Ausschmückung. Das ganze Mushi-Produktionsteam war so aufgeregt über die Versuche, in Farbe zu drehen, dass NBC Tezuka nach Hollywood flog und für ihn eine Besichtigung der dortigen Trickfilmstudios - inklusive Walt Disney Productions - arrangierte, damit er sehen konnte, wie farbige Trickfilme hergestellt werden. Ungeachtet der Vorgaben von NBC versuchte Tezuka weiterhin, sich bei Jungle Emperor so eng wie möglich an seine Originalvorlage zu halten: das Drama um die Anstrengungen eines Einzelnen, Chaos in Zivilisation zu verwandeln. Dies bedingte eine Menge Mogeleien, in denen Tezuka bildlich ausdrückte: "Ich weiß, man verlangt von mir, nicht zu zeigen, dass die 'Guten' irgend jemand töten, aber wenn ein Felsblock auf den Schurken fällt, sollte das in Ordnung sein" oder "das ist schon o.k., wenn das Gewehr zufällig losgeht und ich nicht die Leiche zeige", oder "es ist ja kein Mensch, nur eines von den Tieren!" So schickte NBC immer wieder Meldungen nach Tokio mit dem Inhalt "Machen Sie eine harmlose, lustige Kindersendung daraus!", während Tezuka antwortete: "Ja, selbstverständlich," und dann Episoden zurücksandte, die offensichtliche Todesszenen enthielten - welche immer noch harmlos waren im Vergleich zu dem, was er tatsächlich gerne gezeigt hätte! Die Produktion beginntWeil er Jungle Emperor in Japan bereits vorab verkauft hatte, war Tezuka verpflichtet, die Serie bis Oktober 1965 fertigzustellen. Um diesen Zeitplan einhalten zu können, wurde Mushi Productions in zwei Produktionsteams eingeteilt. Tezuka gab jedem Team den Entwurf einer Geschichte (oder genehmigte den Entwurf, der von jemand anderem vorgeschlagen wurde), und das jeweilige Team stellte die Episode her. Also produzierte jedes Team, grob gesprochen, 26 Episoden. Tezuka selbst genehmigte die Entwicklung aller Geschichten und versuchte, eine allgemeine Übereinstimmung der Handlung aufrecht zu erhalten, damit sich die Episoden zumindest nicht widersprachen, falls sie nicht mehr in ihrer chronologischen Reihenfolge geordnet sein sollten.Trotz alledem gab es einige Unstimmigkeiten. So war es möglich, dass ein Team den Handlungsentwurf für eine Episode fertigstellte, dabei irgendwelche kleineren, wünschenswert erscheinenden Änderungen vornahm und sofort mit der Herstellung begann, ohne zu überprüfen, ob das andere Team auch diverse kleine Änderungen vornahm, die dann nicht mehr zusammenpassten. Diese Handlungsweise war aus Gründen der Rationalisierung gestattet worden, denn im Großen und Ganzen waren die Teams angewiesen worden, sich nicht allzu viel Gedanken über die Einhaltung einer bestimmten Reihenfolge zu machen - kleinere Unstimmigkeiten würde der durchschnittliche Zuschauer ohnehin nicht wahrnehmen. Wann immer eine besondere Szene nötig war, die den direkten Bezug der betreffenden Episode zu einer anderen notwendig machte, wurde dies mittels eines Rückblicks gezeigt, so dass es weniger offensichtlich war, wo sich die momentane "Gegenwart" befand. Auf diese Weise konnte Tezuka auch den Bezug zu einer Szenenfolge herstellen, die NBC auf keinen Fall gewollt hatte: Leos Kindheit als Haustier in einer großen Stadt, wo er zum ersten Mal Ken-ichi und seinen Onkel (Roger Ranger und Mr. Pompus) trifft und die Vorzüge der Zivilisation kennenlernt. Tezuka bleibt seinem Konzept treuTrotz aller Hindernisse gibt es eine feine, aber deutlich wahrnehmbare chronologische Steigerung bei Jungle Emperor. Die Farm wird angelegt, muss unsichere Anfangszeiten durchstehen und ist schließlich ein Erfolg. Leos Autorität als König des Dschungels ist zuerst noch im Wanken, er zweifelt an seinen Fähigkeiten, und die andere Tiere halten ihn für einen unreifen Träumer. Schritt für Schritt wird er selbstsicherer, und alle Tiere akzeptieren seine Ratschläge als weise und erfahren. Die Angriffe von Claw, im Anfang eher Revierkämpfe zwischen einem strengen Herrscher und einem jungen Anwärter auf den Thron, werden zu schleichenden Intrigen, um den nun fest etablierten neuen König mit List zu vernichten.Zu Beginn besucht Leo die Tierschule und spielt mit den anderen Jungtieren als ein Gleichaltriger, am Ende wird er mehr zum älteren Bruder bzw. Lehrer. In den frühen Episoden ist er klein und kindlich, gegen Ende hat er die Größe eines Erwachsenen und ist praktisch bereit für eine Mähne. Tezuka überwachte den Fortgang der 52 Episoden und stellte sicher, dass sie seinem Jungle Emperor so nahe kamen, wie es NBC erlaubte. Eiichi Yamamotos BearbeitungWährend Tezuka die Entwicklung der Story überwachte, beaufsichtigte Regisseur Eiichi Yamamoto die optische Entwicklung von Jungle Emperor. Tezuka hatte immer noch das letzte Wort, aber Yamamoto führte die künstlerische Leitung durch, die auf Tezukas bewährtem künstlerischem Comic-Stil basierte. Yamamoto erhielt beachtlichen Freiraum für Änderungen an den Figuren. Tezuka hatte Leo während des Zeitraums, das ihn als Jungtier zeigt, im Stil eines 8-jährigen Kindes gezeichnet. Yamamoto gab ihm das Erscheinungsbild eines strammen 12- bis 13-jährigen, der schnell zum Jugendlichen heranwächst. Aus Tot (Cassius) machte er einen viel unheimlicheren Schurken und gab Tots ursprüngliche Komödiantenrolle an zwei neue Handlanger namens Dick & Bow (Tom & Tab), die lachenden Hyänen, weiter. (Eine Zeitlang plante man, aus Dick & Bow zwei Leutnants zu machen, die Bubus Befehle an ein ganzes Rudel Hyänen weitergaben, aber diese Idee wurden fallengelassen.)Am wichtigsten war Yamamotos Erschaffung von neuen Nebendarstellern, die in Leos Umfeld erschienen: Mandy Mandrill (Daniel), Koko (Pauley), Tomy (Bucky), die Tierkinder (Dash, Dot und Dinky, Dodie Deer usw.) und andere. Er führte sorgfältig die kleinen, nahezu unterbewussten Charakterzüge dieser Figuren ein, die jede von ihnen zu einem überzeugenden und liebenswerten Individuum machte, das viel mehr war als nur ein lebendes Requisit. Manche von ihnen, wie beispielsweise der Igel Harry, erschienen nur alle 9 oder 10 Episoden für ein paar Sekunden, aber jedesmal stimmte sein Charakter völlig mit dem seiner vorherigen Auftritte überein. Diese Entwicklung der Darsteller - die Erschaffung einer großartigen Besetzung mit Figuren, die die Zuschauer ins Herz schließen würden - war allein Yamamotos Verdienst. Yamamoto war ebenfalls komplett verantwortlich für das Erscheinungsbild der farbigen Animation. Obwohl Tezuka der ausführende Geist bei Mushi Productions war, hatte er nur Erfahrung als Zeichner von schwarz-weißen Comics. Yamamoto, den Tezuka gewählt hatte, weil er einer der ersten Animatoren bei Mushi gewesen war, kam aus einem der ältesten japanischen Trickfilmstudios, Otogi Productions, das im Jahre 1955 Japans ersten farbigen Trickfilm hergestellt hatte. Vor seinem Wechsel zu Mushi hatte Yamamoto bei zwei Otogi-Cartoons Regie geführt, darunter auch "A Trip Around Fairyland" in Spielfilmlänge. Als die Entscheidung gefallen war, dass Jungle Emperor farbig werden sollte, übertrug Tezuka Yamamoto die Aufgabe, Mushi auf Farbproduktion umzustellen. Yamamoto vereinbarte mit NBC's Verbindungsmann Fred Ladd, eine Gruppe von Mushi's besten Animatoren nach New York zu schicken, wo sie vom ehemaligen Disney-Mitarbeiter Preston Blair eine intensive Schulung in Farbtrickfilm-Produktion erhielten. Der Umstand, dass die Farben in Jungle Emperor so reich und vielfältig sind - im Gegensatz zur einfachen, flachen Farbgebung der meisten damaligen TV-Trickfilme - ist auf Yamamotos künstlerische Ausbildung für Animation in bühnenmäßiger Qualität zurückzuführen. Außerdem waren er und Tezuka fest entschlossen, eine Disney-ähnliche Qualität ins japanische Fernsehen zu bringen. Isao Tomita komponiert die MusikDie Musik zu Jungle Emperor wurde von Isao Tomita geschaffen. Heute ist Tomita ein bekannter Name im Bereich der elektronischen Musik, aber begonnen hatte er bei Mushi Productions mit der Bearbeitung von klassischer Musik als Hintergrundmelodie zu Astro Boy. Für Jungle Emperor gab ihm Tezuka die Möglichkeit, eine komplette Originalmusik im klassischen Stil zu komponieren. Tomita persönlich dirigierte das Japanische Philharmonieorchester bei den Aufnamen. Das Ergebnis war so brillant, dass die meisten Personen, die seine Karriere kennen, der Meinung sind, sein Soundtrack zu Jungle Emperor sei viel besser als alles andere, was er später an elektronischer Musik gemacht hat.Beginn der Arbeiten in AmerikaWährenddessen hatte NBC in Amerika Fred Ladd die Leitung für Jungle Emperor übertragen. Ladd war ein unabhängiger Unternehmer, der sich darauf spezialisiert hatte, ausländische Spielfilme und Serien für das amerikanische Fernsehen zu bearbeiten. Die Verbindung Tezuka/ NBC/Ladd war schon 1963 gegründet worden, als ein Vertreter von NBC seine Gesellschaft auf die neue TV-Serie Tetsuwan Atom (Astro Boy) aufmerksam gemacht hatte, die in Japan gerade ausgestrahlt wurde. Er empfahl sie als eine Art "Pinocchio 2000". NBC sah sich eine Musterepisode an, erkannte ihr Potential und zog Fred Ladd hinzu. An ihn hatte die Geschäftsleitung von NBC sofort gedacht, weil sie wusste, dass Ladd momentan in Belgien an einem ähnlichen Zeichentrickfilm arbeitete, einer amerikanisch-europäischen Coproduktion namens "Pinocchio in Outer Space". Ladd brachte den Musterfilm zu seinem üblichen Vertragspartner, einem Synchronstudio in New York City, und dieser stellte den Pilotfilm für Astro Boy her, der von allen geliebt wurde. Während der nächsten Jahre brachten Ladd und seine Synchronsprecher - hauptsächlich Ray Owens, Billie Lou Watt und Gil Mack - 104 Episoden von Astro Boy heraus. NBC erwartete, dass Ladd und sein Team dasselbe für Jungle Emperor machen würden.Wie es sich ergab, arbeitete Fred Ladd persönlich nur sehr wenig an Jungle Emperor - oder besser gesagt an Kimba The White Lion, wie wir ihn von nun an nennen wollen - abgesehen von seiner Funktion als Bindeglied zwischen NBC und Clifford Raymond Owens und dessen Team, der im Vorspann "Cliff Owens" und von seinen Freunden "Ray Owens" genannt wurde. Die tatsächliche, professionelle "Kommandozentrale" war außerordentlich unspektakulär. Es gab nur eine einzige "magische Adresse": 1600 Broadway in New York, ein altes Bürogebäude, das eine große Anzahl selbständiger, aber voneinander abhängiger Firmen beherbergte. Da war Fred Ladd Productions, die laut Vertrag englischsprachige Ausgaben ausländischer Filme produzierte. Dann gab es Titan Productions mit einer kleinen Anzahl Tonstudios für Synchronisation, und Zavala-Riss Productions, welche die Filme herausbrachten. Man war stolz darauf, dass man einen ausländischen Film in das Haus 1600 Broadway bringen konnte und ein kompletter amerikanischer Film wieder herauskam, ohne dass man dazwischen das Gebäude verlassen musste, und obwohl der Film von mehreren unterschiedlichen Firmen bearbeitet wurde, von denen jede einen anderen Umwandlungsprozess ausführte. Um die Formlosigkeit noch zu betonen, waren die meisten dieser Firmen sehr klein und hatten fast kein festes Personal; sie warben freiberufliche Experten an, wenn ein Job zu erledigen war. Man war bestrebt, immer die gleichen Leute einzustellen, die sich im ganzen Haus bald gegenseitig kannten, und Ray Owens mit seiner Crew gehörte zu den üblichen Leuten, die verpflichtet wurden, wenn Sprecher gebraucht wurden (sofern diese nicht gerade anderswo arbeiteten). Manchmal übergab Fred Ladd einen Synchronauftrag auch an Titan Productions, die dann ihrerseits Sprecher einstellten, manchmal - wenn Ladd den ganzen Auftrag selbst bearbeiten wollte - verpflichtete er seine eigenen Sprecher und mietete die Tonstudios von Titan Productions für seine eigene Arbeit. Ray Owens hatte bereits bei Astro Boy für Fred Ladd's Firma gearbeitet. Ladd war mit den Fähigkeiten des Teams vertraut, und so war es ganz natürlich, dass Owens den Auftrag erhielt. Aber diesmal wollte Ladd von ihm mehr als nur "Zeilen vorlesen". Da er dessen Fähigkeit, Stimmen zu charakterisieren, mittlerweile voll vertraute, übertrug er Owens die komplette Produktion der neuen Serie, während er selbst nach neuen Projekten Ausschau hielt, um sie zu erschließen. (Aus geschäftlichen Gründen führte Ladd zwei Firmen gleichzeitig. Unter dem Namen Delphi Productions - und bei gleicher Adresse - produzierte er bereits "Gigantor" für einen Konkurrenten von NBC!) Die Sprecher-BesetzungRay Owens, Gil Mack und Billie Lou Watt waren erfahrene Radiosprecher, die in vielen alten Abenteuer- und Kindersendungen Rollen gespielt und auch zahlreiche Werbesendungen gemacht hatten. Owens und Mack waren die Stimmen der meisten männlichen erwachsenen Darsteller in Astro Boy gewesen. (Ein dritter Partner, Peter Fernandez, der einige Jahre später "Speed Racers" produziert hatte, war kurz vor dem Ende der Serie ausgeschieden.) Billie Lou Watt war hinzugezogen worden, nachdem der ursprünglich vorgesehene weibliche Schauspieler nicht verfügbar war. Ihre Stimme ist in Astro Boy ab Episode Nr. 2 durchgehend zu hören - als Astro Boy's eigene Stimme und die der meisten Kinder und Frauen.Wann immer eine Szene in Astro Boy mehr Stimmen verlangte, als die vier Sprecher darstellen konnten (z.B. eine Menschenmenge), stieg Owens von der Tonbühne, durchstreifte das Gebäude und rekrutierte aus den Büros jeden, der gerade frei war, um mitzukommen und ein paar Zeilen zu lesen. Als die drei allerdings den Kimba-Auftrag vor sich hatten, wurde ihnen klar, dass ihre Astro Boy-Routine hierfür nicht gut genug war. Kimba hatte eine Besetzungsliste von mehr als einem Dutzend Hauptrollen. Vier oder fünf von ihnen würden die meiste Zeit zusammen auf der Bühne sein müssen, um komplizierte Gespräche auszuführen. Die Gruppe kann sich noch genau daran erinnern, wie Kimba besetzt wurde. Gerade war Mushi's "Plan für Jungle Emperor" und der Pilotfilm angekommen. Selbiger war praktisch nutzlos, da die 1. Episode "Go, White Lion" (Flucht in die Freiheit) sich von allen anderen deutlich unterscheidet. Es wurde ein abendliches Arbeitstreffen in Billie Lou Watt's Haus vereinbart. Nach dem Abendessen versammelten sich alle mit einem Glas Brandy um den Kamin. Die Gruppe bestand aus Billie Lou Watt und ihrem Ehemann Hal Studer; Ray Owens und seiner Frau Francine (von ihren Freunden Sonia genannt) sowie Gil Mack und seine Frau Rose. Watt, Owens und Mack waren die drei Profis, während Hal Studer und Sonia Owens nur wenig als Sprecher gearbeitet hatten - einschließlich kleinerer Rollen in Astro Boy. Rose Mack gehörte nicht zum Team. Es war ihnen klar, dass sie noch ziemlich im Dunklen tappten und ihre Pläne möglicherweise beträchtlich ändern mussten, wenn sie ihre Rollen erst näher kennengelernt hatten.
Die amerikanische Kimba-Crew,
aufgenommen von Gilbert Mack am 15. Januar 1966,
Der erste und leichteste Entschluss war, Gil Mack den temperamentvollen Papagei sprechen zu lassen. Mack war Spezialist für die Dastellung total überdrehter Charaktere, und dies war eine Rolle, die ihm Spaß machen würde. (Tatsächlich bewahrten die anderen ihn davor, zu sehr zu übertreiben und aus Pauley Cracker eine unverständlich quakende Papagei-Ausgabe von Donald Duck zu machen!) Ray dachte, dass eine Stimme im Stil von Walter Brennan gut zu dem alten Pavian-Ratgeber passen würde. Es verstand sich von selbst, dass Billie Lou die Rolle des Leo sprach - oder wie auch immer man ihn nennen würde. (NBC hatte ihnen durch Fred Ladd nahegelegt, dass "Leo" für einen Löwen zu einfallslos war - dies war so, als ob man einen Hund "Rover" oder "Fido" nennen würde. Außerdem war "Leo" bereits der Name des berühmten brüllenden Markenzeichens von Metro-Goldwyn-Mayer.) Ray und Gil waren in der Lage, sich einige weitere Rollen zu teilen, aber beim pfadfinder-ähnlichen Ken-ichi, dem menschlichen Freund der Tiere, kamen sie nicht weiter. Das war die Art von Rolle, die Ray üblicherweise mit seiner normalen Stimme sprach. Diese war jedoch schon für den Erzähler im Hintergrund bestimmt, und man wollte dieselbe Stimme nicht zweimal verwenden. Die Lösung war, Billie Lou's Ehemann, Hal Studer, mit ins Team zu holen. Hal war kein "Mann der 1000 Stimmen", so wie ein guter Sprecher zu sein hatte, aber seine natürliche Stimme war für Ken-ichi exzellent geeignet, und daneben konnte er noch ein paar andere Stimmen für Darsteller übernehmen, die nicht allzu oft vorkamen. Als dieser konzeptuelle Durchbruch geschafft war, bot es sich an, Sonia Owens für einige Frauen- und Kinderstimmen in Betracht zu ziehen. Billie Lou hatte Schwierigkeiten, ausgesprochen hohe Stimmen zu sprechen, ohne dass sie zu künstlich klangen. Bei "Astro Girl" in der Astro-Boy-Serie hatte das sehr gut funktioniert, aber für die Darstellung der Kimba-Charaktere würde es unangemessen klingen. Sonia war damit einverstanden, Leos Freundin und einige andere benötigte Rollen (wie z.B. Bella Donna und das mysteriöse Mammut vom Mount Moon) zu spielen, aber sie war nicht daran interessiert, genannt zu werden. So kam es, dass im Abspann der Serie nur vier Sprecher aufgelistet wurden, obwohl es eigentlich fünf waren. Namensänderungen für das amerikanische TV-PublikumDie meisten Darsteller erhielten neue Namen. Einige der Originalnamen (wie Ken-ichi) waren allzu japanisch, andere schienen unpassend ("Bubu" klang für den gefährlichsten Schurken viel zu harmlos), und einige waren akzeptabel, wurden jedoch durch einprägsamere Namen ersetzt (Dan'l Baboon anstelle von Mandy.) Leos Name wurde in "Simba" geändert - das war kurz, packend und außerdem ein Insidergag für jemanden, der weiß, dass dieses Wort auf Suaheli "Löwe" bedeutet. Nur wenige Tage bevor die erste Episode aufgenommen werden sollte, fand man jedoch heraus, dass einige farbige Unternehmer "Simba" bereits als Namen für ein beabsichtigtes "schwarzes" Erfrischungsgetränk eingetragen hatten! Keiner konnte sagen, in welcher Weise dies das Recht für "Simba" als Zeichentrickfigur beeinträchtigen würde, aber offensichtlich hatte NBC vor, im Falle eines Erfolgs der Serie die Marktrechte zu verkaufen und würde wohl keinen Namen haben wollen, der in übereinstimmenden Marketingbereichen zu Konflikten führen konnte. Man beschloss, auf Nummer Sicher zu gehen und änderte das "S" bei Simba in ein "K", wodurch ein absolut einmaliger Name geschaffen wurde.(Anmerkung von Robin Leyden: Diese Informationen zur Namensänderung von Kimba erhielt ich einst von Clifford Ray Owens, einem der Autoren, der in der Serie als Daniel Baboon sowie als Erzähler zu hören ist. Als Fred Ladd viele Jahre später diese Geschichte hörte, erfuhr ich von ihm, dass Ray's Version nicht stimmt. Tatsächlich geschah folgendes: Wie schon erwähnt, sollte der Name ursprünglich Simba lauten, doch NBC spürte, dass hier ein einmaliger Name vonnöten war, den man durch Copyright schützen konnte. Bei dem gebräuchlichen Suaheli-Begriff "Simba" war dies nicht möglich. Ein Mitglied des NBC-Werbeteams, Jacques Liebengut, hatte eine Tochter namens Kimberly, deren Kosename Kimba lautete. Mr. Liebengut schlug diesen Namen als Lösung des Problems vor, und er wurde angenommen.) Vorbereitung der englischen DrehbücherDie Produktion von Kimba, The White Lion war die Arbeit eines ganzen Jahres. Mushi Productions schickte im wöchentlichen Turnus jeweils das Filmmaterial für eine halbstündigen Episode, zwei Tonspuren und eine lange Drehbuchskizze in gebrochenem Englisch. Die amerikanische Gruppe benötigte jeweils eine Woche, um eine englischsprachige Episode vorzubereiten. Dabei nahm das Schreiben des englischen Drehbuchs die meiste Zeit in Anspruch, für die eigentliche Synchronisation benötigte man nur einen Tag.Die Arbeiten an Kimba verliefen nicht zuletzt deshalb so perfekt, weil die Drehbücher von den Sprechern selbst vorbereitet wurden. Sie "waren" einfach diese Figuren, und so wussten sie, was sie sagen sollten und wie sie es sagen sollten. Nachdem die Crew Mushi's Zusammenfassung gelesen und den Film gesehen hatte, bestimmte sie den exakten Wortlaut. Billie Lou und Ray fertigten jeweils eine Rohfassung an, wobei sie sich üblicherweise häufig telefonisch mit den anderen berieten, um Stimmlagen und Gefühle zu präzisieren, die am besten zu der jeweiligen Szene passten. Zur doppelten Kontrolle führte Hal "Regie" bei Billie Lou's Drehbüchern, während Sonia dasselbe mit Ray's Manuskripten machte. Wenn Hal oder Sonia das Gefühl hatten, dass bestimmte Zeilen nicht zum Charakter einer Figur passten, forderten sie die Autoren auf, diese zu ändern, bis sie den richtigen Klang hatten. Alle handschriftlichen Entwürfe wurden Hal Studer übergeben, der sie abtippte. Folgender Standard-Witz entwickelte sich im Hause Studer-Watt: Wenn Besucher kamen, während Hal gerade tippte, wurden sie energisch gewarnt: "Pst! Stören Sie Mr. Studer nicht, er ist gerade in kreativer Stimmung!" Dabei übertrug er bloß die Notizen seiner Frau oder die von Ray Owens in die Maschine! Die endgültigen Scripts wurden manchmal sogar noch aus dem Stegreif geändert, wenn die fünf zusammen auf der Tonbühne von Titan Productions standen und einer von ihnen eine besonders gute Idee hatte, mit der alle einverstanden waren. Wie sieht die Handlung aus?Bei der Produktion von Kimba gab es drei ständig wiederkehrende Probleme. Eines davon war, dass die amerikanische Crew bei ihren Tätigkeiten nie mehr als die Grundidee von Jungle Emperor sowie die Zusammenfassung der Episode hatte, an der gerade gearbeitet wurde. Sie wusste nicht, dass die Kimba-Geschichte auf einem berühmten japanischen, comic-artigen Roman basierte, und hatte keine Ahnung, was in den kommenden Episoden passieren würde. Wenn sie auf etwas stießen, das sie nicht verstanden oder das mit Szenen in einer anderen Episode zu kollidieren schien, war ihre einzige Möglichkeit, dafür eine Erklärung zu erfinden. Wenn der Erzähler in "The Hunting Ground" ("Expedition Tonga"), wo der Mount Moon und das Mammut zum ersten Mal erscheinen, den Zuschauern mitteilt, Kimba sei verblüfft und tief beeindruckt, sprach er damit ebenso für das gesamte amerikanische Produktionsteam, das keine Ahnung hatte, was da vor sich ging. Als sie den Geheimagenten James Brawn in "The Wind in the Desert" sahen, hielten sie ihn für Roger Ranger, und da James Brawn am Ende dieser Episode ganz offensichtlich stirbt, konnten sie sich nicht erklären, wieso er in zukünftigen Episoden wieder auftauchte.Zum Glück begriffen sie noch rechtzeitig, dass es sich dabei um zwei unterschiedliche Figuren handelte. Eine andere wichtige Tatsache wurde jedoch nicht rechtzeitig erkannt, weshalb sich ein gravierender Fehler nicht vermeiden ließ: Als Roger Ranger in der Episode "A Human Friend" ("Unser neuer Freund") in den Dschungel kommt und Kimba die Menschensprache lernt, ist dies keinesfalls ihre erste Begegnung. Kimba war als Kind Rogers Haustier (zu sehen in den Rückblenden von "A Friend In Deed" ("Ein Freund in Not") und "Fair Game". Während dieser Zeit, als er in der Stadt lebte, entwickelte er seine Bewunderung für die Zivilisation. Rogers einziger Zweck, in den Dschungel zu kommen, war die Suche nach Kimba. Aber die Gruppe erkannte das nicht, und statt die Dialoge von Roger und Mary zu Beginn der Episode mit den korrekten Texten zu versehen und Roger in dem Moment, wo er Kimba trifft, so etwas wie "endlich habe ich Dich gefunden!" sagen zu lassen, enthält die Unterhaltung der beiden keinen Hinweis auf die wahre Absicht ihres Dschungel-Aufenthalts. Als Roger auf Kimba trifft, sagt er zu ihm "Hallo, wer bist Du denn?", wodurch ihre frühere Bekanntschaft verleugnet wird. Monate später, als die letzten Episoden mit den Rückblenden in New York eintrafen, erkannten die Sprecher, dass sie da einige Fehler gemacht hatten, aber nicht einmal jetzt waren sie sich so recht sicher, wie die eigentliche Geschichte hätte aussehen sollen. Musik-SynchronisationDas zweite Problem gab es mit den japanischen Tonspuren. Heutzutage werden Filme oder TV-Serien mit einem halben Dutzend verschiedener Spuren versehen, von denen jede einen unterschiedlichen Teil des Gesamttons enthält. Es gibt eine Spur für die Stimmen, eine für spezielle Toneffekte, eine für Hintergrundgeräusche, eine für die Musik usw. Aber Mitte der 60-er Jahre waren diese Dinge noch ziemlich primitiv, besonders in Japan. Mushi Productions fertigte nur zwei Tonspuren: eine für die Stimmen und eine zweite für alles andere. Die Stimmspur war komplett auf Japanisch und wurde gelöscht, sobald die Amerikaner den Film bekamen. Die andere Spur enthielt Toneffekte und Hintergrundmusik. Es war die Aufgabe des Teams, diese Spur mit ihren eigenen Dialogen zu mischen, um die endgültige Tonspur herzustellen, die für NBC auf den Film kopiert wurde. (Anmerkung von Craig Andersen: Während der Restaurierungsarbeiten an der "verschollenen" Version von Episode 1 stellte ich fest, dass bei der Sturmsequenz die Mischung von Toneffekten und Musik in beiden Versionen - amerikanisch und japanisch - voneinander abweicht. Dies legt den dringenden Verdacht nahe, dass das US-Team doch mehr als nur zwei Tonspuren zur Verfügung hatte.)Unglücklicherweise hatten die Japaner ihre Lieder als Teil ihrer Hintergrundmusik gehandhabt, wodurch sie zu einem untrennbaren Teil der Tonspur wurden - mitsamt den japanischen Liedertexten. (Anmerkung von Craig Andersen: Dies trifft in einigen Fällen zu, in einigen aber offensichtlich nicht, wo die Musik im Hintergrund des Liedes frei von japanischen Texten ist.) Wenn Kimba einen etwas gemächlicheren Produktionsplan (und ein erheblich höheres Budget) gehabt hätte, wäre es möglich gewesen, diese Teile komplett aus der Tonspur herauszuschneiden und durch völlig neu geschriebene Lieder zu ersetzen. Aber für eine Handvoll Dollars und mit nur einer Woche Produktionszeit für jede Episode mussten sie mit dem vorlieb nehmen, was sie hatten. Man löste dieses Problem auf drei verschiedene Arten, von denen zwei im Grunde genommen so aussahen, dass man den japanischen Originalton so leise wie möglich drehte und versuchte, die japanischen Gesänge mit den eigenen zu übertönen. Wenn das Lied besonders poetisch zu sein schien - etwa wenn Kimba nachts durch den Ozean schwimmt und das Bild seiner Mutter in den Sternen erblickt, oder in "Scrambled Eggs" ("Keine Feier ohne Eier") den Eiern ein Wiegenlied singt, verfasste Billie Lou einen Blankvers, der im Hintergrund zur Musik rezitiert wurde. War das Lied von fröhlicher, stürmischer Natur, wie es üblicherweise von den Tierkindern oder zu hitzigen Arbeitsszenen gesungen wurde - zum Beispiel beim Bau des Vergnügungsparks in "Jungle Fun" - erfanden sie eigene Lieder oder sangen einfach La La La. In der Annahme, die Tiere würden ohnehin plump und misstönend singen, trösteten sie sich über die Tatsache hinweg, dass sie selbst allesamt schreckliche Sänger waren. Und in einigen Fällen fande sie sogar einen Weg, einfach den japanischen Originalsong zu übernehmen. In "The Gigantic Grasshopper" ("Der Schrecken im Berg") besingt ein Eulenchor Kimbas Dilemma, ob die Notwendigkeit, den Dschungel von der Riesenheuschrecke zu befreien, wohl größer sei als sein Widerstreben gegen das Töten eines Lebewesens. Dazu lässt Ray den Erzähler sagen: "Kimba scheint heute Nacht ganz traurig und voller Gedanken zu sein. Seine Freunde, die Eulen, fragen sich, ob er wohl an irgend jemand Besonderes denkt und wer es sein könnte? Wer nur, wer, wer, wer? (Anm. des Übersetzers: Der japanische Eulengesang ähnelt dem englischen "Who, who, who".) Ganz unter uns gesagt, kann ich es mir schon denken, und die Eulen singen wahrscheinlich gerade darüber. Nun ja, wer von uns versteht schon die Eulensprache?" Kimbas Titelmelodie stellte ein Problem für sich dar. Sie war zu wichtig; da konnte man nicht einfach den Ton runterdrehen und irgend etwas zusammenpfuschen. Eine neue Aufnahme musste gemacht werden. Die Verwendung von Isao Tomitas Originalmelodie mit amerikanischem Text kam auch nicht in Frage, denn Tomita hatte seine Titelmusik für ein Symphonieorchester mit großem Chor und einen Baritonsänger geschrieben. Der Gedanke, für den Vorspann einer Kindersendung derart viel Geld auszugeben, erschien NBC zu abartig. Also wurde "Kimba's Theme" der Obhut einer Songschreibertruppe aus der Unterhaltungsindustrie übergeben, die sich aufs Komponieren von kleinen Liedchen für Werbespots und ähnliches spezialisiert hatte. Alles, was man ihnen hierfür an Material gegeben hatte, war ein Filmausschnitt mit den Vorspannszenen. So komponierten sie eine mitreißende Melodie, deren Rhythmus zum galoppierenden Tempo von Kimba passte, wie er durch den Dschungel rennt. Sie war leicht und fröhlich, und wenn sie auch nicht so bezaubernd war wie Tomitas Partitur, vermied sie doch die ehrfurchtgebietende Schwerfälligkeit, welche Tezuka mit seiner Jungle Emperor-Saga in Beziehung bringen wollte und deren Vermeidung NBC verzweifelt versucht hatte. NBC konnte mit diesem Titellied wirklich vollauf zufrieden sein. Die Story wird "abgemildert"Das letzte, immer wiederkehrende Problem in dieser japanischen Serie war die Gewalt. Ladd's Team blieb nichts anderes übrig, als sie einigermaßen zu vertuschen. Oft war dies jedoch nicht gut möglich, und die Zensur solcher Szenen war dann so offensichtlich, dass dies bei Kimbas jungen Zuschauern zu einem "Running Gag" wurde. Jedesmal wenn auf dem Bildschirm ganz offensichtlich eine Leiche zu sehen war, sprachen die Kinder einstimmig den Text mit, der dann stets lautete: "Ich liege hier nur und ruhe mich für einen Moment aus!" Aber die amerikanischen Zuschauer erkannten nie, wieviel Gewalt bei Kimbas eigenem Charakter abgeschwächt wurde! In der japanischen Version kämpfte Kimba ständig mit sich selbst, um seine Ideale gegen seine eigenen Raubtierinstinkte aufrecht zu erhalten.Es gab zahlreiche Fälle, bei denen der Dialog viel deutlicher als die Handlung ausdrückte, dass Kimba nahe daran war, völlig die Kontrolle über sich zu verlieren. In "Nightmare Narcissus" versucht Roger Ranger ihn davon abzuhalten, Dr. Mendel Specs anzugreifen, nachdem Kimba herausgefunden hat, dass Specs für die Gefahrensituation im Dschungel verantwortlich ist. Hierbei sagt Kimba in der amerikanischen Version: "Versuche nicht, mich aufzuhalten, Ranger, denn er hat die Tiere mit dieser schrecklichen Pflanze in Gefahr gebracht, nur um ein Experiment zu machen! Ich werde dafür sorgen, dass er das nicht nochmal tut!" Aber was Kimba in der japanischen Fassung tatsächlich zu Roger sagte, lag näher bei "Aus dem Weg, wenn Du nicht auch was abkriegen willst!" Die Synchronsprecher mussten ständig Persönlichkeitsentgleisungen wie diese korrigieren. Manchmal konnten sie komplett herausgeschrieben werden. Wenn es jedoch zu offensichtlich war, dass Kimba wieder mal der Kragen platzte, legte man ihm zumindest einige deutlich mildere Ausdrücke in den Mund und spielte diese dann noch herunter, indem man Dan'l oder eine andere Figur sagen ließ: "Kimba, das ist aber gar nicht deine Art!" Beginn der Synchronisation: Eine historische NachtNie werden die Sprecher den Abend vergessen, an dem sie die Aufnahme ihrer ersten Kimba-Episode bei Titan Productions machten. Sie hatten gerade zu arbeiten begonnen, als der Projektor stotterte und dadurch die Tonspur auf dem Film unsynchron wurde. Sie fluchten ein wenig und machten sich daran, die Szene zu wiederholen. Dann wurde plötzlich das gesamte Studio dunkel. Sie glaubten, dass irgend etwas mit der Stromversorgung des Gebäudes nicht stimmte, doch nachdem sie sich ins Freie getastet hatten, sahen sie, dass die gesamte Stadt im Dunkeln lag. Man schrieb den 9. November 1965 - der Tag des großen Stromausfalls von New York.Ein ungenanntes TalentEs gab noch einen weiteren wichtigen Mann im Kimba-Team, der niemals auf dem Bildschirm erwähnt worden ist. Peter J. Solmo begann als Film- und Synchronredakteur im "magischen" Gebäude Broadway 1600, während Astro Boy in Arbeit war. Zu der Zeit, als Kimba dort ankam, gehörte er zu den technischen Mitarbeitern, die Fred Ladd und seinen Sprechern gut bekannt waren. Die Zusammenarbeit mit ihm begann zeitgleich mit dem Beginn von Kimba. Sehr schnell wurde Solmo für sie mehr als nur ein Assistent. Er wurde Ladd's Hauptmitarbeiter, sowohl bei Timing und Überarbeitung der Episoden als auch bei der Kontrolle des Drehbuchgefüges. Zeitweise besorgte er auch die Verbindungsarbeit mit Mushi Productions in Tokio. Wenn Ladd nicht in New York war, vertrat Solmo ihn und überwachte das Drehbuch bei den Aufnahmesitzungen. Er trug zu den spontanen Dialogverbesserungen bei, welche die Schauspieler vorschlugen, weil er die Figuren genauso gut kannte wie sie. Wenn eine TV-Serie den gemeinsamen "Redaktions-Charakter" ihrer Erschaffer wiederspiegelt, so sind Peter Solmo's Eigenschaften definitiv in Kimba enthalten, vor allem in den späteren Episoden, für die ihm von Ladd noch mehr Verantwortung übertragen worden war.Die SendepremiereIm Oktober 1965 wurde Jungle Emperor in Japan uraufgeführt. Die Episoden wurden üblicherweise in weniger als einer Woche vor ihrem Sendetermin fertiggestellt. In Amerika begann die Produktion an Kimba im November 1965, aber NBC wartete, bis alle 52 Episoden nahezu komplett waren, bevor für die mehrfache Veröffentlichung geworben wurde. Die Erstausstrahlung fand in September 1966 auf KHJ-TV Los Angeles statt, danach in anderen Städten Ende 1966 und Anfang 1967.
Die Original-Werbeanzeige für die erste Ausstrahlung Die Fortsetzung des ErfolgesKimba, the White Lion war sowohl in Amerika als auch in Japan ein Riesenerfolg - so groß, dass Osamu Tezuka den Mut bekam, sich auf ein Glücksspiel einzulassen. NBC hatte ja gesagt, dass man im Falle eines Erfolges in Betracht ziehen würde, eine Fortsetzung zu kaufen, in der Leo als Erwachsener gezeigt werden konnte. Tezuka nahm den Gewinn, den er gemacht hatte, und begann sogleich, an dieser Fortsetzung zu arbeiten, jedoch ohne sie den NBC-Leuten zu unterbreiten, damit diese keine Möglichkeit hatten, sich wieder in seine Arbeit einzumischen. NBC fand das erst heraus, als Tezuka sie vor vollendete Tatsachen stellte: "Fertig! Wie gefällt es euch?"Diese Fortsetzung mit dem Titel "Onward, Leo!" sollte offiziell ungefähr 5 Jahre nach den Ereignissen der ersten Serie spielen. Leo (Kimba) ist nun ein voll ausgewachsener Löwe und mit Liya (Kitty) verheiratet. In Episode 5 werden ihre Kinder geboren, Zwillinge namens Rune und Rukio. (Die Namen sind japanische Wortspiele und bedeuten so viel wie "schlaf' ein" und "wach' auf"; Tezuka hatte ein untrügliches Gespür für drollige Namen.) Im weiteren Verlauf der Serie entwickelt sich Rune, der neben dem Wildfang Rukio zuerst noch ein kleiner Schwächling ist, zu einem temperamentvollen Kämpfer und wird mit dem amerikanischen Kimba vergleichbar. Die letzte Episode, in der Rune seinem Vater das Leben rettet, endet mit einer symbolhaften Szene, die zeigt, dass Leo nun bereit ist, sich mit Liya in den Ruhestand zu begeben, während Rune die Dynastie der weißen Löwen fortsetzt. Dies war jedenfalls die Art und Weise, wie Tezuka seine Fortsetzung sah. Was NBC sah, war jedoch nicht Kimba fünf Jahre später, sondern Tezukas Original von "Jungle Emperor". Alles, wofür sich Kimba eingesetzt hatte, war verloren. Das in "Kimba, the White Lion" letztendlich so erfolgreiche Dschungel-Königreich war auf eine kleine Gruppe von Tieren geschrumpft - die meisten davon Pflanzenfresser - die sich unter Leos persönlichem Schutz niederkauerten. Während Kimba fähig gewesen war, praktisch jedes Tier im Dschungel zu besiegen und sogar in die Luft springen konnte, um Helikopter herunterzuholen, musste der erwachsene Leo beinahe die Hälfte der Episode mit dem Kampf gegen einen gewöhnlichen Löwen oder ein paar Wölfe zubringen - und es war durchaus möglich, dass er dabei verlor! Er wagte es nicht, gegen einen Elefanten oder ein anderes Großtier anzutreten. Pauley Cracker erschien während der ganzen 26 Episoden für weniger als eine Minute; Dan'l Baboon war praktisch senil geworden, und es gab keine Spur von Kimbas anderen alten Freunden oder von irgend einem der (nun erwachsenen) Tierkinder. Eine einzige bekannte Figur kehrte zurück: In Episode 17 kommt ein alternder Cassius angekrochen und bittet darum, seine letzten Tage in Frieden verbringen zu dürfen. Aber er kann der Versuchung nicht widerstehen, seine Rachegelüste gegen Leo auszuüben und versucht, Leos Kinder zu töten. Rasend vor Wut gibt ihm Leo den Rest und bringt dabei beinahe Dan'l um, der versehentlich im Weg steht. Praktisch jede sympathische Figur, die in "Onward, Leo!" neu auftauchte, starb in einem langgezogenen, tränendrückenden Höhepunkt. Leo war regelmäßig in einen endlosen Ablauf blutiger, realistischer Tierkämpfe verwickelt, zu denen NBC ein Jahr zuvor ausdrücklich Nein gesagt und Tezuka eingeschärft hatte, dass man so etwas nicht wolle. Fazit: Die Serie wurde nicht gekauft. Die 26 Episoden von "Onward, Leo!" wurden in Japan im unmittelbaren Anschluss an die letzte Episode von Jungle Emperor gesendet. Die Serie war erfolgreich, aber nicht so erfolgreich wie die japanische Version der unter "NBC-Diktat" entstandenen ersten Serie - was bewies, dass NBC's Ratschläge möglicherweise auch bei den japanischen Zuschauern Anklang gefunden hatten. Indes schien niemand in Betracht zu ziehen, weitere Episoden von "Kimba, the White Lion" herzustellen. Es gab eine stille Übereinkunft, dass alles, was man innerhalb des geschichtlichen Rahmens von Kimba hatte sagen wollen, gesagt worden war. Weitere Episoden würden nur offensichtliche Lückenbüßer darstellen. Auch hatte Kimbas Jungtierzeit lange genug gedauert; die Zuschauer würden unruhig werden, wenn er für immer ein Junglöwe blieb. Tezuka hatte seinen Wunsch, seinen Roman "Jungle Emperor" auf den Bildschirm zu bringen, verwirklicht, und seine Erwartungen waren erfüllt, so dass er nun bereit war, sich neuen Projekten zuzuwenden. Eine Kinofassung in Spielfilmlänge von "Jungle Emperor" wurde im Juli 1966 in Japan aufgeführt, aber sie bestand lediglich aus drei einzelnen TV-Episoden, die man zusammengeschnitten hatte: "Go, White Lion!" ("Flucht in die Freiheit"), "The Insect Invasion" ("Die Heuschreckenplage") und "The Destroyers from the Desert" ("Die Zerstörer aus der Wüste"). Da es zwischen diesen drei Episoden nur wenig Zusammenhang gab, war der Film kaum ein künstlerischer Erfolg. Eine großartige ZusammenarbeitSo also entstand Kimba, the White Lion. Er wurde erschaffen von einem japanischen Produzenten - dem es nicht möglich gewesen war, das zu tun, was er zu machen gehofft hatte - für einen amerikanischen TV-Anbieter, der nicht das bekam, was er zu bekommen gehofft hatte! Kimba wurde für das amerikanische Fernsehen von einer Crew bearbeitet, die oftmals nicht genau wusste, was sie tat. Und dennoch war das Gesamtresultat eine einfallsreiche und intelligente Serie voller Spannung, Humor und Charme.Wie hätte Kimba wohl ausgesehen, wenn es ganz und gar nach Tezukas Wünschen gegangen wäre? "Onward, Leo!" liefert die Antwort. Die Serie wäre dramatisch, angespannt und emotionslos gewesen. Kimba wäre als einsamer Held aufgetreten, ohne die warmherzige Gesellschaft von Charakteren in seiner unmittelbaren Umgebung. Sicherlich wäre es ein interessantes Programm geworden, aber keines, das dem Zuschauer beim Betrachten Freude und Entspannung bringt. Und wie hätte Kimba ausgesehen, wenn es vollständig nach den Vorstellungen von NBC gegangen wäre? Nun, wie sahen die amerikanischen Abenteuer-Zeichentrickfilme zu jener Zeit aus? Da gab es "Mighty Hercules", "Johnny Quest" oder "Space Ghost". Versehen mit Kimbas Rahmenhandlung wäre mit ziemlicher Sicherheit eine Art "Mighty Hercules" daraus geworden. Jede Woche wären Claw und seine Handlanger mit einer neuen Taktik angekommen, Kimba zu erledigen und sein Dschungelreich zu übernehmen. Und jede Woche würde Kimba sie alle mit Leichtigkeit in einem kurzen, unblutigen Kampf vermöbelt haben. Keine der Figuren hätten auch nur den geringsten Tiefgang gehabt. Kimbas Gefährten wären dümmliche Figuren ohne jeden Charme, und Kimba selbst wäre nur der Alleswissende und immer Rechthabende gewesen, niemals auch nur ansatzweise von Selbstzweifeln geplagt. Ganz gleich, ob man es nun auf die japanische oder auf die amerikanische Art gemacht hätte, das Resultat wäre bedeutend schwächer ausgefallen als das, was offenbar durch die amerikanisch-japanische Koproduktion entstanden war. Kimba kann man mit dem Wein eines großartigen Jahrgangs vergleichen: Man begreift nicht genau, auf welche Weise sich die Zutaten vermischen, wodurch ein Ergebnis entsteht, das die vorangegangenen so hoch übertrifft. Vielleicht haben wir es nicht verstanden, aber deswegen dürfen wir es dennoch schätzen. Verschwörung gegen KimbaNBC fühlte deutlich, dass man mit Kimba eine 52-teilige Serie hatte, die sich unbeschränkt für TV-Ausstrahlungen verkaufen ließ. Für den Rest der 60-er Jahre funktionierte dies ganz gut. Aber mit dem Beginn der 70-er begannen die Schwierigkeiten.Anweisung der Regierung
Abgenutze Filme und andere Drangsalierungen
Der Mushi-Bankrott beendet die USA-Rechte
Mushi Productions war jedoch - von Amerika unbemerkt - Anfang der 70-er Jahre in finanzielle Schwierigkeiten geraten und ging 1973 bankrott. Die Konkursmasse wurde unter zahlreichen Gläubigern aufgeteilt. Die Akten der National Telefilm Associated in Los Angeles belegen, dass sich Kimba vom Oktober 1978 bis zum 8. Mai 1979 im dortigen Lager befand. Zu diesem Termin war NTA von NBC - auf Anordnung Japans hin - angewiesen worden, alle noch verbliebenen 16-mm-Kopien sowie das Original-Negativ und alle anderen Produktionsmaterialien nach New York City zu schicken. Ein Geschäftsführer bestätigte 1991, dass sich die Kimba-Produktionsunterlagen noch immer im dortigen Lager befinden. Aber bisher war noch kein kauflustiger neuer Kunde der Meinung, dass Kimba den Aufwand und die Mühe wert sei, die unterschiedlichen Eigentumsansprüche der Besitzer zu sortieren: Eine Gesellschaft besitzt den Namen Kimba als eingetragenes Warenzeichen, eine weitere hat die TV-Senderechte der 52-teiligen Serie, einer dritten gehören die Videorechte, einer vierten die Comicbuch-Rechte, einer fünften die Rechte für Spielzeug... Bis all das geregelt ist, wird Kimba wohl in Vergessenheit bleiben. (Anmerkung von Craig Andersen: Im Jahr 2000 erschien die Originalserie in den USA auf VHS-Kassetten, im Jahr 2003 kamen die ersten DVDs heraus.) Die Fortsetzung von Kimba kommt endlich nach AmerikaDies ist jedoch nicht das Ende der Geschichte. Kimba war Vergangenheit, aber im Jahre 1984 brachte das "Christian Broadcasting Network" Tezukas "Onward, Leo!" unter dem Namen "Leo, the Lion" ins amerikanische Fernsehen. (Anmerkung des Übersetzers: In Deutschland erschien die Serie unter dem Titel "Der Löwenkönig" auf VHS und VCD.) Diese Produktion war so billig gemacht worden, dass es weder Nennung von Namen noch einen Titel gab. Der Vorspann wurde ohne jegliche Namenseinblendung gezeigt, während eine neue Titelmelodie gesungen wurde: "Leo, the Lion (the Lion). Leo, the Lion (the Lion). So come on, and join us. Let's have fun; Don't disappoint us. It's Leo; It's Leo, the Lion! And Leo has his own animal kingdom!"Im Gegensatz zur Kimba-Originalserie, die umfassend bearbeitet worden war, um sie dem amerikanischen Geschmack anzupassen, war bei "Leo, the Lion" das japanische Drehbuch extrem genau übersetzt worden. Auch hatte man die Originalnamen der Figuren wie Leo (Kimba) und Liya (Kitty) übernommen. Dies war entweder aus Rücksicht auf Tezukas Wünsche geschehen, oder um einen Konflikt mit dem Copyright für Kimba zu vermeiden. Leo betrachtete den Namen Kimba als einen Spitznamen aus seiner Jugendzeit, den er als Erwachsener abgelegt hatte. In der Episode "The Poacher" ("Leo und die Elefanten") beispielsweise fragt Leo einen alten Elefanten: "Kannst Du dich noch an den kleinen Kimba erinnern? So hast Du mich früher oft genannt." Diese Ehrlichkeit gegenüber Tezukas Originalvorlage sollte eigentlich Anerkennung verdient haben, aber sie ließ "Leo the Lion" mit all den Problemen zurück, die schon in "Onward, Leo!" gesteckt hatten. Die Episoden waren intellektuell ansprechend, aber emotional düster und hatten kaum Humor. Außer Leo, Liya und ihren Kindern Rune und Rukio gab es praktisch keine stetig wiederkehrenden Figuren. Leo wurde zwar von den Bewohnern seines Königreichs respektiert, aber er schien keine Freunde zu haben. Viele Episoden endeten mit einem moralisch siegenden, aber körperlich erschöpften Leo, oder sie endeten tragisch. "Leo the Lion" wurde nie zur geliebten Serie im Stil von "Kimba, the White Lion". Tezuka startet seine RemakesWährenddessen eröffnete Osamu Tezuka, nachdem er die Kontrolle über Mushi Productions verloren hatte, in Japan ein neues Studio: Tezuka Productions. Die Rechte an den bestehenden Serien Astro Boy und Jungle Emperor hatte er zwar verloren, nicht aber die Inhaberrechte an seinen Figuren und die damit verbundene Möglichkeit, neue Serien herauszubringen. Tezuka machte 1980/81 eine neue farbige Astro Boy-Serie, begann jedoch erst 1988, kurz vor seinem Tod, mit einer neuen Serie von Jungle Emperor. Osamu Tezuka starb am 9. Februar 1989 an Magenkrebs, aber sein Team bei Tezuka Productions vollendete die Serie nach seinen Entwürfen.Der "Neue Jungle Emperor" erschien mit 52 Episoden vom 12. Oktober 1989 bis zum 11. Oktober 1990 im japanischen Fernsehen. Es war eine Mischung aus seinem ursprünglichen comic-artigen Roman und der TV-Serie, die Tezuka nach den Vorgaben von NBC gemacht hatte. Wie in der Originalserie führte die Geschichte nicht über Leos und Liyas Jugendzeit hinaus. Aber wie im Roman und in "Onward, Leo!" waren Handlung und Stimmung mehr dramatisch und düster. Tomy (Bucky) und Koko (Pauley Cracker) waren mit von der Partie, aber viele der unterstützenden Charaktere, die für die erste Fernseh-Fassung von Kimba geschaffen worden waren, fehlten. Viele freundliche Tierfiguren kamen auf tragische Weise ums Leben. Hamegg (Snakely), der im Original schon ein ruchloser, gewinnsüchtiger Jäger war, wurde so verzerrt, dass er nun mehr einem wahnsinnigen Totschläger als einem Jäger glich. Wieder war eine gut geschriebene, dramatische Abenteuerserie entstanden, aber ohne den amerikanischen Touch war es trotzdem kein neuer "Kimba the White Lion". (Zynisch betrachtet entsprach diese Serie allerdings genauso sehr dem "Original-Kimba", wie Frank Miller's oder Tim Burton's Batman dem Original-Batman entsprachen, oder John Byrne's Superman dem Original-Superman von Jerry Siegel und Joe Shuster, oder Ralph Bakshi's Mighty Mouse dem Original von Paul Terry ...) Kimba in der GegenwartDie Episoden erhalten wieder ihre ursprüngliche ReihenfolgeEntsprechend NBC's Vorgaben, dass Kimba aus einzelnen Folgen bestehen sollte, die in beliebiger Reihenfolge gezeigt werden konnten, wurden den Episoden - ohne Berücksichtigung des Handlungsablaufs - Nummern zugewiesen. So kommt es, dass Kimba in Episode Nr. 4 von Dan'l, Pauley und Bucky Hilfe bekommt, obwohl er diese erst in Nr. 8 kennenlernt; in Episode Nr. 17 ist Kimba ist beinahe so groß wie ein ausgewachsener Mensch, aber in Nr. 47 noch ein Jungtier. Hier ist eine Liste der beabsichtigten chronologischen Reihenfolge der Serie... (Anmerkung von Craig Andersen: Mit allem Respekt für Robin Leyden's und Wendell Washer's Liste, die ursprünglich diesem Artikel beigefügt war - und ich habe großen Respekt vor ihrer Forschungsarbeit - war die von ihnen angegebene Reihenfolge der Episoden nicht korrekt, und ich sehe keine Notwendigkeit, dies fortzuführen. Die nachfolgende Liste *) gibt die Reihenfolge der Episoden an, so wie sie in Japan gesendet worden sind [Quelle: die Tezuka Company-Website] und die nun in Amerika für die Veröffentlichung der Kimba-DVDs übernommen wurde. Die Neuanordnung erlaubt nun dem Betrachter, fortlaufende Bestandteile der Handlung und Feinheiten wie z. B. Kimbas Wachstum genau zu erkennen. *) Die an dieser Stelle aufgeführte Liste wurde nicht nochmals übernommen. Siehe hierzu den Link "Liste aller Epispoden" oben auf dieser Seite. Nachsatz:Zur Erstveröffentlichung von "How Kimba Came To Be"in der Zeitschrift "Fanta's Zine" (ca. 1991) Jeder von uns hat seinen Lieblingsfilm in der Gruppe der "amerikanisierten japanischen Cartoons", die uns diese wundervolle Kunstform näher brachte. Für einige von uns war es Astro Boy, für andere Eight Man, Marine Boy oder Speed Racer. Kimba, the White Lion scheint jedoch für die meisten von uns der Favorit zu sein. Dies hat auch eine tiefere Bedeutung für uns, denn es war eine Vorführung von Kimba-Bändern bei einer S-F Versammlung, die die Idee für die Cartoon Fantasy Organization (C/FO) hervorgebracht hat. Die Reaktion auf diese Themenausgabe zeigt, wie sehr Kimba von vielen geliebt wird. All diese Beiträge stehen für sich selbst, aber die Notizen von Robin Leyden verlangen eine besondere Erwähnung. Leyden bezeichnet sich selbst als den größten Kimba-Fan der Welt. Einige von uns Kimba-Liebhabern (oder "Kim's", wie Billie Lou Watt uns nennt - "verrückt nach Kimba") mögen ihm diese Auszeichnung streitig machen, es ist jedoch nicht zu leugnen, dass Leyden Möglichkeiten hatte, etwas über Kimba zu erfahren, die der Rest von uns nicht hatte, und die ihm viele Vorteile brachten. Leyden's Liebe zu Kimba begann in dem Moment, als
die Fernsehserie 1966 startete. Er schrieb sofort an NBC, um Informationen
und Material über die Serie zu bekommen. NBC hatte keinerlei Öffentlichkeitsarbeit
für Fans vorbereitet, aber Leyden war so beharrlich, dass ihm NBC
schließlich einen Handlungsführer schickte, der eigentlich nur
für Studiozwecke gedacht war, sowie eine Fotokopie des Original-Vorschlags
von Mushi Productions, der letztendlich zur Erschaffung von Kimba geführt
hatte!
Während zweier Geschäftsreisen nach Japan 1973 und 1980 nahm sich Leyden die Zeit, um nach Leuten zu suchen, die an der Animation von Kimba mitgearbeitet hatten. Er hatte lange Gespräche mit Osamu Tezuka über die Figur, das Buch und die Fernsehserie. Einmal flog Leyden von Los Angeles nach New York City, nur um einer Party beizuwohnen, auf der das amerikanische Produktionsteam von Kimba versammelt war. Er erhielt von ihnen eine Menge Informationen, die anderweitig niemals zu bekommen gewesen wären, inklusive die letzte erhalten gebliebene Kopie des Werbefotos und den handschriftliche Bogen mit der Stimmenanweisung. Als wäre all das noch nicht genug, hat Leyden eine Videosammlung von 50 der 52 Kimba-Episoden aufgebaut. Er führte persönlich die Überspielung einer kompletten Ausgabe von "Onward, Leo!" durch, und zwar vom Originalmaterial einer französisch synchronisierten Version, kurz bevor die 16mm-Originalfilme von Französisch-Kanada nach Japan zurückgeschickt wurden. Dies erlaubte ihm und anderen Kimba-Fans in Südkalifornien, die Episoden endlich zu studieren. Eventuell sollte die C/FO-Bücherei davon Kopien bekommen. Wenn auch viele von uns glühende Kimba-Fans sein mögen und fähig sind, die Serie in ihrer ganzen Tiefe zu analysieren, so hatte Leyden doch den Vorteil, direkt von Kimbas Erschaffern zu erfahren, warum manche Dinge so und manche wieder anders gemacht worden waren. Das bedeutet, dass sogar diejenigen von uns, die glauben, Kimba auswendig zu kennen, bereit sein sollten, aus dieser Veröffentlichung viele neue Dinge zu lernen. USA Show Credits:Animated by Mushi Productions Music composed by Isao Tomita Directed by Eiichi Yamamoto Coordinated by Fred Ladd Supervised & recorded by Titan Productions Inc. Editorial supervision: Zavala-Riss Productions Theme music by Bill Giant, Bernie Baum, Florence Kaye Voices of: Billie Lou Watt, Cliff Owens, Gilbert Mack & Hal Studer An NBC Enterprises Production |
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