|
im frühsommer 2001 entstand meine erste web-seite, aber bald war die startseite allzu voll und schrie nach kompexitätsreduktion ... |
![]() |
| |
| |
altkatholiken |
|
|
Das erste Vatikanische Konzil (1869/70) war insgesamt gekennzeichnet durch die Ablehnung von Rationalismus und Liberalismus; es beschloss unter anderem die Unfehlbarkeit des Papstes, wenn er ex cathedra spricht. Aus der Ablehnung dieses und der in der Folge verkündeten Dogmen entstanden in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts neue Gemeinden, die sich in der Folge in Deutschland zum Bistum der Alt-Katholiken zusammenschlossen. Sie gaben sich 1874 eine bischöflich-synodale Verfassung: die Pfarrer werden von der Gemeinde gewählt; jede Gemeinde entsendet ihre(n) Pfarrer(in) plus 2 oder mehr gewählte Laien (das sollen zur Hälfte Frauen sein) in die Synode, die den Bischof wählt. Schon im 18. Jahrhundert hatten sich Katholiken in den Niederlanden im Streit zwischen den Jesuiten und den sog. Jansenisten vom Papst losgesagt und die Kirche von Utrecht (Oud-Katholieke Kerk van Nederland) gebildet. Sie haben sich mit den Alt-Katholiken und weiteren "seelenverwandten" Kirchen in Polen, Österreich und der Tschechischen Republik, sowie Einzelgemeinden u.a. in Frankreich und Italien zur Utrechter Union zusammengeschlossen. Während des Kulturkampfs mit der "römisch"-katholischen Kirche kam Bismarck diese zunächst innerkirchliche Rebellion sicher nicht ungelegen. Da an dem virtuellen Konstrukt einer einzigen katholischen Kirche in Deutschland aber festgehalten wird, bestehen faktisch seitdem zwei Netze von römisch- und alt-katholischen Gemeinden mit jeweils eigenen Bistümern, die die Oberhoheit des Papstes entweder anerkennen oder nicht. |
Wer bislang in einer römisch-katholischen Gemeinde war, muss daher nicht einen Kirchenaustritt beim Einwohnermeldeamt vornehmen, sondern eine sog. "Umgemeindung". Das kostet auch weniger ;-) und ich vermute, sowas Schönes gibt es nur in der Bundesrepublik. Als Alt-Katholik zahlt man "natürlich" genauso Kirchensteuer, lediglich der Eintrag in der Lohnsteuerkarte heisst "ak". Und man hat ein besseres Gefühl. In den Augen der Alt-Katholiken ist der Papst "lediglich" als Bischof von Rom primus inter pares ohne besondere Lehrautorität, sie treten für den "ursprünglichen Glauben des ersten Jahrtausends" ein, bedauern somit also auch das Schisma der orthodoxen Kirchen im Jahr 1054 und sehen eines ihrer Hauptanliegen in der Ökumene. Seit 1931 besteht eine sog. volle Sakraments-Gemeinschaft der Utrechter Union mit der anglikanischen Kirche, seit 1985 eine Vereinbarung mit der EKD über eine gegenseitige Einladung zur Eucharistie. Demzufolge werden unter anderem auch das Zölibat, die Pflicht zur Ohrenbeichte und die Dogmen von der unbefleckten Empfängnis und leiblichen Aufnahme Marias in den Himmel abgelehnt, Empfängnisverhütung, vorehelicher Geschlechtsverkehr, Homosexualität hingegen nicht. Seit 1994 sind im deutschen Bistum auch Frauen zu allen kirchlichen Ämtern zugelassen, was jedoch nicht von allen Kirchen der Utrechter Union anerkannt wird. Die Kirchen in der Schweiz, Österreich und den Niederlanden erkennen die Frauen-Ordination an, die in Nordamerika, Polen und der Tschechischen Republik nicht. Gegen Ende der Weimarer Republik und unter der national-sozialistischen Diktatur traten einerseits einzelne völkisch gesinnte Alt-Katholiken im Wahn für so etwas wie eine deutsche Reichskirche ein und warben um Nazis als neue "Gläubige", was allerdings - man möchte sagen: Gottseidank! - auf keine rechte Gegenliebe bei der Nazi-Elite stieß. |
| |
Obwohl wir die Existenz Gottes nicht fühlen, beweisen können wir sie nicht.
Georg Christoph Lichtenberg: Sudelbücher. J 1143.
Frankfurt am Main (Insel) 1972, S. 428 (Insel Taschenbuch 792)
Sigmar Polke hat die Bundesrepublik bei der Biennale in Venedig 1986 vertreten. Zu seiner Ausstellung gehörten auch sechs großflächige "Kunststoffsiegel-Bilder", die seither im Museum auf dem Abteiberg in Mönchengladbach gezeigt werden. (10. Juni 2001)
architektur & kunst |
|||||
|
|||||
![]() |
Neues Museum Nürnberg für Kunst und Design (1999; Architekt: Volker Staab). Ein kleines Wunder, weder aus Lebkuchen noch aus Sandstein. Und davor ist ein Platz entstanden, wo früher Ödnis war. (23. april 2005) | ||||
|
"I'm not going to design rectangular buildings anymore. It's too difficult." Gehry bei der Begehung des neuen Gebäudes der DG-Bank am Pariser Platz in Berlin. |
Frank GehryGehry hat Düsseldorf um 3 schön verrückte oder vielleicht besser gesagt: verdrehte Häuser am rechten Rheinufer bereichert: ein kleines silbernes in der Mitte und je eines in den Landesfarben ruut un wieß. Viel Platz ist ja nicht mehr, aber vielleicht könnte man netterweise noch ein grünes daneben zaubern, zumindest einen Kiosk ... Weitere sehenswerte Entwürfe von Gehry:
|
||||
Gehry: "Man muss eben sehr aufpassen, was man macht und was nicht. Und vor allem mit wem und mit wem nicht."
Patrick Barton/SZ: "Hinterher ist man immer klüger."
Gehry: "Ja. Vorher ist aber besser."
Frank Gehry über Dummheit. Das Interview. Von Patrick Barton. Süddeutsche Zeitung 25.-26.10.2003 (Jg. 59 Nr. 246) Seite IV
calvin & hobbes |
||||
|
von Bill Watterson; erschienen von November 1985 bis Ende 1995. Mein Lieblings-Comic. Auf der "offiziellen" Calvin & Hobbes-Seite wurden seit 1996 nochmal alle Cartoons nochmal online veröffentlicht, also jeweils genau 11 Jahre nach dem Erscheinen in der Presse. Seit 2007 werden die Comics in einer mir nicht mehr durchschaubaren wilden Reihenfolge wiederholt, wovon die der jeweils letzten 14 Tage frei zugänglich sind, die anderen nur nach Registrierung. Hier ein paar der allerbesten, in Klammern das Datum der Erstveröfentlichung im Web.
| ||||
"Calvin & Hobbes" ist ein Warenzeichen des Universal Press Syndicate. |
||||
heldenplatz |
||||
|
Walter Benjamin * Berlin 15.07.1892, + Port Bou 27.09.1940
|
||||
island |
||||
|
Ich erinnere mich an einen Arbeitsplatz, an dem ein bemerkenswertes Klima herrschte. Im November konnte ich endlich 3 Wochen Urlaub nehmen und überlegte damals, nach Island zu fliegen, um ein wenig Wärme zu tanken. (Umsomehr Grüße von hier aus an Mark & Petra, Christiane, Margarete, Silke und Rudi!) Der Christopher-Street-Day in Reykjavik wird allerdings üblicherweise im August gefeiert, nächster Termin 05. bis 08. August 2010. | ||||
|
Island ist bizarr, nicht nur landschaftlich. Das Land hat im Abkommen von 1951 seine Landesverteidigung komplett an die USA abgetreten und ist militärisch deren 51. Bundesstaat. Der genetische Code seiner knapp 300.000 Menschen zählenden Bevökerung wurde an ein Privatunternehmen verkauft. Der Export besteht im wesentlichen aus Fisch und - neuerdings - auch Björk. Die Insel ist 103.000 qkm groß und hat kein Eisenbahnnetz. Norwegen ist etwa 800 km entfernt, Grönland 330 km. | ||||
| ||||
Was für ein Beruf! Wie kam es nur, dass ich von allen Erwerbszweigen
gerade den gewählt habe, der am wenigsten zu mir passte?
Ein Arzt muss eins von beiden sein: Menschenfreund oder ehrgeizig. -
Es ist allerdings wahr, damals glaubte ich von mir, ich sei beides.
Hjalmar Söderberg, Doktor Glas. in: Die Spieler. 12 Erzählungen und 1 Roman. Hrsg. von Hans Magnus Enzensberger.
Frankfurt am Main ("Die andere Bibliothek", Eichborn Verlag), 2000. S. 138f. (ISBN 3-8218-4184-2).
medizin-links |
EKG-Lineale |
Allgemeine Stadieneinteilung
I. Man merkt es selber. (nach Dr. Klaus Werdermann, ehem. Chefarzt der Pulmolog. Abt. des ehem. Kamillianer-Krankenhauses, jetzt Med. Klinik 4, Khs. St. Kamillus/Maria Hilf 3, Mönchengladbach) |
||
| ||||
|
In einem für die Verhältnisse distinguierter deutscher Internisten doch recht verzweifelt klingenden Hilferuf haben sich im Frühjahr 2003 die früheren Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin, darunter die Crème de la crème des Fachs, namentlich genannt seien die Prof. Gross ("Herr Kollege, nehmen sie Antwort D. Glauben Sie mir, ich verstehe was von Porphyrien."), Schölmerich, Ulmer und Bock, für den Erhalt ihres Fachgebietes eingesetzt: "Für die Abschaffung des Gebietes Innere Medizin gibt es keinen vernünftigen Grund. Offener Brief an die deutschen Ärztinnen und Ärzte." Leider hat es nix genutzt.
| ||||
|
Lektüre-Tip: |
Da das Buch im Handel leider seit Jahren vergriffen und nur noch antiquarisch erhältlich ist, hier der Link zur Skrabanek Foundation, wo man den Text sowie den der beiden anderen Bücher Skrabaneks als pdf-Datei runterladen kann. | |||
|
Nudeln mit Tomaten schützen die Prostata: Chen L, Stacewicz-Sapuntzakis M, Duncan C et al: Oxidative DNA Damage in Prostate Cancer Patients Consuming Tomato Sauce-Based Entrees as a Whole-Food Intervention. JNCI 2001; 93: 1872-9. (Abstract) | ||||
die welt der pulmologie |
||||
|
die welt der pulmologie auf einer größeren Karte anzeigen | ||||
mensa |
||||
Eine kleine, aber heftig umstrittene Frage: Wann soll das Salz ins Nudelwasser? Im Jahr 2001 tobte darum eine heftige Diskussion in der ZEIT, die schließlich mit dem Hinweis auf den 2. Hauptsatz der Thermodynamik beendet wurde: es ist egal. Faustregel: pro Esser 1.6 L Wasser, 160 g Spaghetti und 16 g Salz. |
Keine ordentliche Web-Seite darf bekanntlich auf Lieblingsrezepte verzichten. Die folgenden sind sämtlich nicht von mir, aber Klassiker und jedenfalls von mir nachgekocht, manchmal auch verändert, jedenfalls für essbar befunden; und einfach. | |||
| ||||
musik |
||||
|
"Offen gesagt, ich verstehe nichts von Musik." | ||||
|
||||
|
Vladimir Horovitz spielt meine beiden Lieblingsstücke von Sergej Rachmaninov (via YouTube): | ||||
| ||||
transrapid |
Eisenbahn-Museum Nürnberg KVB |
|||
| ||||
blick vom balkon meiner tante; november 2000.
ur- & frühgeschichte |
||||
| ||||
wankel |
heldenplatz | |||
![]() falls sich das dingsbums hierdrüber nicht bewegen sollte, bitte auf die graphik klicken (oder hier) und in einem neuen fenster öffnen. oder die seite neu laden und vorher gucken, ob in den optionen beim internet explorer unter "web-inhalt" die felder "animierte GIFs" und "looping" angeklickt sind. |
Es schaut auf den ersten Blick einfach aus, und dann fragt man sich doch, ob es eine optische Täuschung sein könnte. Aber es ist keine: ein Rotor dreht sich in einem Hohlraum, wobei beide so geformt sind, dass im Lauf einer Umdrehung des Rotors mehrere Räume zwischen ihnen entstehen, an Volumen zunehmen, dann wieder abnehmen, schließlich verschwinden und sich an anderer Stelle wieder neu auftun.
Da anders als beim Viertakter-Otto-Motor bestimmte Unwuchten gar nicht erst entstehen, ist der Kreiskolbenmotor relativ laufrauhig und leise. Er wurde allerdings in der Bundesrepublik nur bis Anfang der 70er Jahre von den großen Automobilbauern, insbesondere Audi/NSU und Daimler-Benz, weiterentwickelt. Paradoxerweise wurde er auch ein Opfer der damaligen "Ölkrise", obwohl in dem Konzept das Potential geschlummert hätte, einen vermutlich wesentlich verbrauchsgünstigeren Antrieb zu entwickeln. Das Ur-Patent dürfte inzwischen vergammelt sein, laut SPIEGEL wurden die Anteilsscheine irgendwann in den 80er Jahren für Pfennige verramscht. Viele wichtige Anschlusspatente liegen vermutlich in Japan. Mazda baute bis in die 90er Jahre den RX 7 und bietet jetzt als Nachfolger den RX-8 . |
|||
|
Felix Wankel (* Lahr bei Offenburg 13.08.1902, + 09.10.1988; der Sterbeort ist unklar, sowohl Heidelberg wie Lindau werden genannt, mein dtv-Brockhaus schweigt sich aus), der Erfinder des Kreis-Kolben-Motors, hatte zwar keinen Führerschein, aber Stil: er ließ sich in einem NSU Ro 80 fahren. Die baden-württembergische Landesregierung hatte zumindest soviel Stil, ihm im Alter von 85 die Professorenwürde zu verleihen. |
||||
|
||||
|
Kurdistan | ||||
|
Die Yeziden (auch: Jesiden, Yezidi; Eigenbezeichnung: Dawasin) sind eine wegen ihrer Religion verfolgte Minderheit der Kurden im Grenzgebiet Türkei - Armenien - Iran - Irak - Syrien. Wahrscheinlich sind die Yeziden die Minderheit der Kurden, die nicht zum Islam konvertiert ist. Aufgrund der Verfolgung ihres Glaubens sind sie in der Bundesrepublik durch ein Urteil des Bundesverfassungsgerichtes vom 30.06.92 als asylberechtigte Gruppe (!) anerkannt. |
|||||
geschichte |
|||||
|
Die Religion dürfte bereits in vor-christlicher Zeit entstanden sein, hat aber offensichtlich immer wieder Elemente benachbarter Religionen aufgenommen und umgekehrt großen Einfluß auf diese ausgeübt: zwischen Sunna und Schia sowie dem Yezidentum stehen die Sufis und die Alewiten. Es ist postuliert worden (Izady), dass die yezidische Religion eine gemeinsame Wurzel mit dem im Iran noch fortbestehenden Ali-Haq-Glauben (Yarsanismus) und dem Alewitentum teilt, da bei allen dreien die Verehrung der Engel eine Hauptrolle spielt. Gott spielt eher die Rolle eines Weltgeistes ("haq"). 7 Engel beherrschen den Kosmos, sie sind die ersten Re-Inkarnationen (Avatare) des Schöpfers. Der oberste Engel heisst Melek Taus, wird symbolisch in Gestalt des Pfaus verehrt und wurde, nachdem er sich zunächst gegen Gott aufgelehnt hatte, nach Reue und Bewährung mit der Verwaltung der Erde belehnt. Gott hat sich weitgehend zurückgezogen aus der ganzen Genesis, gibt für das Geschehen eigentlich nur die Initialzündung und ein bißchen Starthilfe, schon bald nach der Geschichte mit der Perle, die immerhin 40.000 Jahre gedauert haben soll, ruht er sich aus, fährt Bötchen auf dem See und schreibt alles auf (!). Da Melek Taus nach seiner Wiederbestallung kein "Teufel" mehr ist, darf der Yezide diesen Namen nicht aussprechen, auch keine Wörter, die sich darauf reimen. Die Rollen "Gott" und "Melek Taus" als seiner ersten Reinkarnation sind aber nicht stets scharf getrennt. |
In der Auseinandersetzung mit den neuen monotheistischen Religionen Christentum und Islam während des ersten Jahrtausends christlicher Zeitrechnung hat sich vermutlich eine Modernisierung des Yezidismus durch Übernahme einiger "zeitgemäßer Schnörkel" abgespielt, durch die zunehmende Betonung der Rolle Gottes, der die Engel schuf bzw. sich in ihrer Gestalt re-inkarnierte, wandelte sich der ursprünglich reine Engels-Glaube zu einer ebenfalls monotheistischen Religion. Das Yezidentum "letzter Hand" entstand dann durch die Reformen des Sheikh Adi (1074 - 1162), einem bedeutenden Sufi-Lehrer (!), der in der Nähe von Lalish gelebt haben soll und offensichtlich jeder der beiden Religionen Inhalte der anderen nahebrachte. Die Lehre ist "nicht-dualistisch", Gutes wie Böses komme von ein und demselben Gott; sie nimmt christliche und jüdische, aber auch islamische Inhalte auf, zeigt aber auch Parallelen zum alt-persischen Mithras-Kult der Sonnenanbetung und zum Zoroastrismus. Mohammed fungiert als Wiedergeburt des "haq". Jesus wird als Initiator der Anerkennung des Yezidentums als Religion angeführt. Der Mensch wird wiedergeboren. Einen Erlöser gibt es nicht. |
Als religiöses Zentrum gilt der Ort Lalish in der Nähe von Mossul im heutigen Nord-Irak. | |||
überlieferung |
|||||
|
Dass es den Yeziden untersagt ist, ihren Glauben anderen mitzuteilen, erklärt zum Teil, weshalb es nur wenige fundierte Informationen darüber gibt. Da zur Zeit der Entstehung des Islam keine nennenswerte schriftliche Überlieferung existierte oder ein "Heiliges Buch" wie Koran, Altes oder Neues Testament, wird das Yezidentum vom Islam nicht als "Buch-Religion" anerkannt, vielmehr gelten die Yeziden entweder als Ungläubige, die zum Islam bekehrt werden müssen (Türkei), oder als Abtrünnige vom rechten Glauben, die auf den rechten Weg zurückgebracht werden sollen (Irak, Syrien). Die Überlieferung der Traditionen und Glaubensinhalte geschah und geschieht vorwiegend mündlich durch Lieder (Qewls), die von einer Priester-Kaste (Qewals) weitergegeben werden. Die spärliche schriftliche Überlieferung besteht im wesentlichen aus den beiden heiligen Büchern "Meshefa Res" ("Die Schwarze Schrift") und "Kiteba Celwe" ("Buch der Offenbarung"). Weder Verfasser noch Entstehungszeit (um 1200 ?) oder Verbleib der Handschriften sind bekannt. Die einzige m. W. publizierte Fassung ist eine Übersetzung von Maximilian Bittner aus dem Jahr 1913, deren Vorlage ein Karmeliterpater von einem verräterischen Yeziden bekommen haben soll. |
Der Inhalt ist mythisch und erzählt von der Erschaffung der Welt, der sieben Engel sowie Adam & Evas, und schließlich (!) auch der Yeziden. Dazwischen finden sich geschichtliche Versatzstücke eingestreut, offensichtlich vorwiegend zum Zweck der historischen Legitimation (auch Jesus, Sheikh Adi und Auseinandersetzungen mit Christen, Moslems und Persern werden erwähnt) sowie Verhaltensregeln. Der Inhalt ist auch unter den Yeziden nicht unumstritten und keineswegs allgemein-verbindlich. Das "Schwarze Buch" macht den Eindruck, aus mehreren Schichten zu bestehen, als ob unterschiedlich akzentuierte Versionen der Schöpfungsgeschichte aneinander geflickt worden wären: zu Beginn heisst es, Gott erschaffe 7 Engel, am Schluss, er erschaffe aus sich heraus 6 andere Götter. Dies ist als Abfolge multipler Re-Inkarnationen des Weltgeistes gedeutet worden. |
Oder die Sache mit der Perle: einmal hat Gott sie nach der Zeugung einem Vogel zum Bebrüten gegeben, es schlüpft schließlich übrigens die Erde; ein andermal gerät er aber in Zorn über ebendiese Perle, er kickt sie weg, sie zerschellt, und aus ihren Splittern entstehen Erde, Himmel und mehr. Ein alt-mesopotamischer Comic, der aber auch wunderbar illustriert, dass Gott nach yezidischem Glauben auch Launen, Schwächen und böse Anteile hat, Ying & Yang in einem.
| |||
name |
|||||
|
Oft findet man die Erklärung, der Name leite sich von dem ommajadischen Kalifen Jesid I. (= Yazid Ibnu Maàwiya; regierte 680 - 683), der in seinem Kampf gegen die - nach sunnitischer Lehre - rechtmäßigen Erben des Propheten Hilfsbataillone gesucht und aufgrund seiner liberaleren Haltung ihnen gegenüber in den Yeziden gefunden hatte. (Von islamischer Seite wird den Yeziden die Ermordung von Mohammeds Nachkommen während dieser Auseinandersetzung angelastet.) Diese Herleitung des Namens wird heute politisch auch dazu verwendet, die Yeziden als islamische Randgruppe zu subsumieren, und sie hängt etwas in der Luft, da es die Religion und ihre Anhänger ja damit eingestandenermaßen schon vor Kalif Jesid gab: aber bis dahin namenlos? Alternativ - und plausibler - wird der Name "YezidI" vom alt-perischen "yazata" (= Engel) abgeleitet. |
|||||
regeln |
|||||
|
Yezide kann man nur durch Geburt werden, Heirat mit Nicht-Yeziden ist nicht erlaubt. Der Yezide soll in einer Großfamilie oder Gruppe von mindestens 9 Personen leben, daher entstanden auch in der BRD typische Knubbel vor allem in Niedersachsen. Jeder Yezide muss ein bestimmtes individuelles Unterhemd tragen, soll fünfmal täglich beten und wenn möglich an bestimmten Festen teilnehmen. Die Frau wird zwar hoch geachtet, hat aber im Alltag wenig und in der religiösen Hierarchie keine Rechte. Die Beurteilung der Homosexualität ist mir nicht bekannt. | |||||
|
|||||
|
NB.: Wüschenswert wäre mal eine Tabelle mit den Spalten "Juden, Christen, Islam, Sufis, Alewiten, Yezidi, Ali-Haq, Mithraisten, Zoroastrier, Parsen, ..." und den Reihen "Monotheismus, Stellung der Frau, Wiedergeburt, Eintritt, Austritt, Missionierung, Prädestination, Priestertum, Oberhaupt, ...". |
|||||
letzte Änderung: 31.08.2010. |
http://www.magicvillage.de/~reinhard_kaaden/komplexitaetsreduktion.html